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18. Juli 2013, 19:42 Uhr

Eltern von getötetem Teenager

Entsetzen über Freispruch für George Zimmerman

Aus ihrer Sicht hat das Justizsystem der USA versagt: Die Eltern des erschossenen Teenagers Trayvon Martin melden sich zu Wort. Sie zeigen sich immer noch schockiert über den Freispruch für George Zimmerman.

Miami - George Zimmerman hat Trayvon Martin erschossen, wurde dafür aber nicht verurteilt: Nach dem umstrittenen Freispruch im Prozess um den Tod des Jugendlichen hat dessen Vater Rassismus in den USA dafür verantwortlich gemacht. "Das wäre nicht geschehen, wenn Trayvon weiß gewesen wäre", sagte Tracy Martin im US-Fernsehsender NBC. Rassismus habe offensichtlich eine Rolle gespielt.

Martins Mutter Sybrina Fulton äußerte in derselben Sendung Kritik am Justizsystem der USA. In Trayvons Fall habe es "bis zu einem bestimmten Grad versagt". Zimmerman hatte den 17-Jährigen am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford nahe Orlando (Florida) erschossen. Der unbewaffnete Teenager befand sich auf dem Heimweg von einem Einkauf, wurde von dem Nachbarschaftswächter aber wohl für einen Einbrecher gehalten. Zimmerman beteuerte, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Die Geschworenen glaubten dem 29-Jährigen und sprachen ihn frei.

Zur Begründung hieß es, der Angeklagte habe in Notwehr gehandelt. Das Urteil löste landesweit Proteste aus. "Wir haben nicht das Urteil bekommen, das wir uns erhofft hatten", sagte Fulton jetzt. Sie hätten sich gewünscht, dass Zimmerman zur Rechenschaft gezogen werde, so Martins Mutter.

Zimmerman könnte noch eine Anklage wegen Verletzung der Bürgerrechte vor einem Bundesgericht drohen. Die Eltern des Teenagers sagten, sie würden es begrüßen, wenn sich die Regierung einschalten könnte. Das US-Justizministerium hatte bereits angekündigt, dass die im Frühjahr 2012 begonnenen Ermittlungen der Bundesbehörden gegen Zimmerman fortgeführt würden. Die Untersuchungen waren wegen des Strafverfahrens in Florida unterbrochen worden.

wit/AP/AFP

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