Überraschende Zahlen in Prag Früherer Präsident Klaus begnadigte rund 111.000 Straftäter

An Neujahr 2013 verkündete der damalige Präsident Tschechiens, Václav Klaus, eine Amnestie für Straftäter. Nun zeigt sich: Die Zahl der Begünstigten war weitaus höher als bisher angenommen. Das macht sich offenbar auch in der Kriminalstatistik bemerkbar.

Ehemaliger Präsident Václav Klaus: Großherzige Geste zum Amtsende
DPA

Ehemaliger Präsident Václav Klaus: Großherzige Geste zum Amtsende


Prag - Die vor fast einem Jahr verkündete Neujahrsamnestie in Tschechien hatte weit größere Dimensionen als bislang angenommen. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Bilanz des Justizministeriums in Prag betraf der Straferlass rund 111.000 Verurteilte. Der damalige Präsident Václav Klaus hatte die umstrittene Maßnahme kurz vor Ende seiner Amtszeit am 1. Januar dieses Jahres bekanntgegeben.

Ursprünglich kursierte eine Zahl von rund 7000 Straftätern. Die Opposition tobte damals und warf Klaus vor, er wolle vor allem ihm wohlgesonnenen Wirtschaftskriminellen einen Gefallen tun.

Den aktuellen Angaben zufolge wurden rund 6500 Gefangene umgehend entlassen. Etwa 13.300 Verurteilte mussten ihre Haftstrafe nicht antreten. Zudem wurden 81.133 Bewährungsstrafen, 9660 Verurteilungen zu gemeinnütziger Arbeit und 385 Hausarrest-Strafen aufgehoben. In 265 Fällen wurden darüber hinaus laufende Gerichtsverfahren eingestellt, weil sie länger als acht Jahre andauerten.

Nach Polizeiangaben stieg die Kriminalität in Tschechien in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. "Der Anstieg geht zumindest teilweise auf die Amnestie zurück", sagte Polizeipräsident Martin Cervicek jüngst im tschechischen Fernsehen. "Gegen 38 Prozent der entlassenen Häftlinge laufen bereits wieder polizeiliche Ermittlungen", ergänzte Cervicek.

bim/dpa



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