Tübingen Kindesmissbrauchsprozess gegen 60-Jährige eingestellt

Ihr wurde vorgeworfen, ihre vier Adoptivkinder jahrelang misshandelt zu haben. Verurteilt wird eine 60-Jährige aus Kaiserslautern jedoch nicht. Viele der Vorwürfe seien verjährt, befand ein Gericht.
Statue der Gerechtigkeitsgöttin Justitia vor einem Gericht (Symbolbild)

Statue der Gerechtigkeitsgöttin Justitia vor einem Gericht (Symbolbild)

Foto: Arne Dedert / dpa

Eine 60-Jährige muss sich vor dem Landgericht Tübingen nicht weiter wegen des mutmaßlichen Missbrauchs ihrer vier Adoptivkinder verantworten. Die meisten der insgesamt 14 Taten, welche die Staatsanwaltschaft der Frau aus Kaiserslautern zur Last gelegt hatte, seien inzwischen verjährt, teilte das Gericht mit. Der Prozess wurde eingestellt. In den übrigen Anklagepunkten sei die Beschuldigte freigesprochen worden.

Den Vorwürfen zufolge sollen die mutmaßlichen Misshandlungen ab 1990 bis ins Jahr 2003 oder 2004 stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft warf der Adoptivmutter vor, die Kinder gequält und misshandelt zu haben. Sie soll eine Tochter ab einem Alter von sieben Monaten mehrfach heftig geschlagen haben. Noch im Alter von 17 Jahren soll sie die Jugendliche eine Treppe hinuntergestoßen haben.

Eine weitere Tochter soll sie so geschlagen haben, dass sie einmal einen Nasenbeinbruch erlitt und bewusstlos wurde. Bei einem Sohn sollen die wiederholten körperlichen Misshandlungen zu einer schweren Persönlichkeitsstörung geführt haben. Zur Bestrafung soll sie die Kinder außerdem dazu gezwungen haben, bis zum Erbrechen Zigaretten oder Süßigkeiten zu essen. Zum Teil soll die Frau gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann gehandelt haben.

Die Angeklagte hatte die Vorwürfe stets bestritten. Wie der SWR zum Prozessauftakt berichtet, gab die Frau an, sie habe die Kinder zwar streng erzogen, jedoch lediglich geohrfeigt oder einen Zimmerarrest ausgesprochen. Hinter den Vorwürfen vermutete sie auch ihren Ex-Mann, von dem sie seit vielen Jahren getrennt lebt.

Die Frage der Verjährung stand dem Sender zufolge bereits zum Start des Verfahrens im Raum. Die Kosten für den eingestellten Prozess trägt nun der Staat.

fek/AFP
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