Türkei 17-jähriger Deutscher nach Urlaubsflirt verhaftet

30 Gefangene in einer Zelle, eine Dusche, eine Toilette: Seit zwei Monaten sitzt der Realschüler Marco W. aus dem niedersächsischen Uelzen in der Türkei im Gefängnis - weil er im Urlaub mit einem jungen Mädchen geturtelt hatte.

Uelzen - Der Realschüler sei von den Eltern einer 13-jährigen Engländerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt worden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes heute. Die beiden Jugendlichen waren sich im Osterurlaub in Antalya näher gekommen und beteuern, nur geflirtet zu haben. Die Britin soll sich dem Jungen gegenüber außerdem als 15-Jährige ausgegeben haben.

"Wir sind vollkommen erschüttert", sagte der Sprecher des Technischen Hilfswerks (THW) in Uelzen, Patrick Friede, SPIEGEL ONLINE über die Verhaftung W.s, der sich seit sechs Jahren ehrenamtlich im THW engagiert. "Marco ist ein sehr verantwortungsbewusster, engagierter und zuverlässiger Kamerad. Wir haben große Angst, dass ihn die Untersuchungshaft stark verändern wird."

Die Bedingungen in türkischen Gefängnissen gelten als katastrophal. Der 17-Jährige muss sich mit 30 anderen ausländischen Gefangenen eine Zelle, eine Dusche und eine Toilette teilen. Seine Eltern darf er nur einmal in der Woche sehen - getrennt durch eine Glasscheibe.

Das Generalkonsulat in Antalya setze sich vor Ort für ein erweitertes Besuchsrecht ein, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zu der derzeitigen Unterbringung gebe es außer einer Haftverschonung jedoch bislang keine Alternative. Alle Beteiligten seien sich einig, dass eine Zusammenlegung mit jugendlichen Straftätern oder Schwerkriminellen aus der Türkei nicht in Frage käme.

Für Marcos Eltern stelle die Situation nicht nur eine große nervliche, sondern auch eine massive finanzielle Belastung dar, sagte THW-Sprecher Friede. Die Flüge zwischen Deutschland und der Türkei sowie die Anwaltskosten überstiegen die Möglichkeiten der Familie, die laut Friede "nicht viel Geld hat". Zudem leide der Vater an einer schweren Erkrankung, sagte Friede. "Deshalb haben wir ein Spendenkonto eingerichtet ."

Das Auswärtige Amt hat die türkische Regierung inzwischen offiziell aufgefordert, den Jungen bis zu einer für den 6. Juli angesetzten Verhandlung vorzeitig freizulassen. Türkische Richter hatten die Freilassung des Jungen gegen Zahlung einer Kaution jedoch bereits einmal abgelehnt. In dem Schreiben seien das Gericht und die Regierung in Ankara jetzt noch einmal auf die besondere humanitäre Dimension des Falles hingewiesen worden, so der Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Den Umständen entsprechend befinde sich der 17-Jährige in einer guten körperlichen Verfassung, hieß es. Er sei nicht krank und habe die Möglichkeit, sich zusätzliches Essen zu kaufen.

jdl/dpa

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