Türkei Mehrjährige Haftstrafen für Zwangsheirat

Ein türkisches Gericht hat den Ehemann einer zur Tatzeit Minderjährigen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Das Mädchen war gegen seinen Willen mit dem Mann verheiratet worden. Auch der Vater und die Schwiegermutter des Opfers müssen in Haft.

Istanbul - Das Gericht schenkte den Beteuerungen des Vaters, die Hochzeit habe mit Einwilligung der Tochter stattgefunden, keinen Glauben, wie türkische Medien berichteten.

Der Ehemann wurde wegen Entehrung und fortgesetzter Vergewaltigung einer Minderjährigen zu einer Gefängnisstrafe von knapp sieben Jahren verurteilt. Er hatte das zur Tatzeit 14-jährige Mädchen aus der Schwarzmeerstadt Trabzon vor vier Jahren geheiratet. Vater und Schwiegermutter des Mädchens erhielten wegen Beihilfe Haftstrafen von jeweils drei Jahren und fünf Monaten.

In Deutschland hatte das Urteil im "Ehrenmord"-Prozess die Aufmerksamkeit auf Zwangsverheiratungen unter türkischen Immigranten gelenkt und eine Debatte über härtere Strafen ausgelöst. Während der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach einen Extra-Paragrafen zu Zwangsehen und deren Einstufung als Verbrechen forderte, wiesen andere Politiker darauf hin, dass Zwangsehen in Deutschland schon heute strafbar seien.

In der Praxis würde auch ein schärferes Gesetz nicht helfen, in abgeschottete Parallelgesellschaften hineinzukommen, hatte Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zu bedenken gegeben. Die Grünen, die ein Opferschutzprogramm ins Gespräch brachten, bezeichneten es als wichtiger, dass Migranten-Familien lernten, Zwangsehen als Unrecht zu begreifen.

Opfer im Berliner "Ehrenmord"-Prozess war eine 23-jährige Deutschtürkin, die aus einer Zwangsehe geflohen war, um ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen. Ihr jüngster Bruder war in dem vor rund zwei Wochen ergangenen Urteil zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Zwei andere Brüder sprach das Gericht aus Mangel an Beweisen frei.

jto/dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.