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Pianist Fazil Say: Protest gegen Anklage

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Türkischer Starpianist Fazil Say wegen Verletzung religiöser Gefühle angeklagt

Fazil Say gehört zu den international bekanntesten Künstlern der Türkei. Doch nun soll der Musiker wegen kritischer Bemerkungen über falsche Frömmigkeit und Religion auf die Anklagebank. Ihm drohen offenbar bis zu 18 Monate Gefängnis.

Istanbul - Er verbindet Tradition und Avantgarde - aber genau das kommt in seiner Heimat nicht immer gut an: Nach kritischen Kommentaren im Internet muss sich der türkische Starpianist und Komponist Fazil Say vor Gericht wegen Beleidigung religiöser Werte verantworten. Dem international bekannten Künstler soll vom 18. Oktober an in Istanbul der Prozess gemacht werden, nachdem er über den Kurznachrichtendienst Twitter kritische und scherzhaft formulierte Äußerungen verbreitet hat.

Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete am Montag, Fazil habe erklärt, er habe niemanden beleidigen wollen. Meinungsfreiheit sei ein Recht für alle, sagte der Musiker.

Türkische Medien berichteten, bei einer Verurteilung drohten dem Künstler bis zu 18 Monate Gefängnis. Der Vorwurf laute, er habe beleidigende Kurzmitteilungen selbst verfasst sowie andere Anwender zitiert ("retweeted"). "Wo immer ein Narr oder Dieb ist, sie glauben alle an Gott. Ist das ein Widerspruch?", soll Say geschrieben haben. Vorgeworfen werde ihm auch flapsige Bemerkungen über einen hastigen Gebetsruf eines Muezzins: "Warum die Eile? (...) Steht Schnaps auf dem Tisch?" Auf dem Twitter-Account des Musikers waren die Nachrichten nicht mehr zugänglich.

In Interviews kritisierte Say die Anklage. Sie verletze die Meinungsfreiheit und schade dem Ansehen der Türkei. Fans und Freunde des Musikers haben eine Kampagne zu seiner Unterstützung organisiert, der sich bis Montag mehr als 2300 Menschen angeschlossen haben. Sein Management erklärte, wegen des nun laufenden Justizverfahrens wolle sich Say zunächst nicht mehr äußern.

Fazil Say gehört zu den international bekanntesten Künstlern der Türkei. Er gewann 1994 beim europäischen Nachwuchswettbewerb für Musiker, den Young Concert Artists International Auditions, den ersten Preis und schaffte damit den Durchbruch.

Say hat sich mehrfach kritisch über den Kurs der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geäußert und öffentlich erklärt, er denke darüber nach, das Land zu verlassen. Die Türkei wird international immer wieder kritisiert, weil Journalisten und Künstler, die sich kritisch äußern, angeklagt werden.

wit/dpa
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