Mahnwache für Tugce A. in Offenbach "Das Mädchen ist ein Engel"

Viele Kerzen und viele Tränen: Hunderte Menschen versammeln sich in Offenbach zu einer Mahnwache, um ihre Solidarität mit Tugce A. zu zeigen. Noch an diesem Abend wollen die Eltern die Maschinen abstellen lassen, die sie am Leben erhalten.

AP/dpa

Offenbach - Mehr als tausend Menschen haben sich vor dem Offenbacher Krankenhaus versammelt, in dem die junge Studentin Tugce A. liegt. Einige sind von weit her angereist, um ihren Respekt zu bekunden - auf dem Rasen vor der Klinik verharren sie in stillem Gedenken. "Ich habe eine Gänsehaut, das Mädchen ist ein Engel. Wir sind hier, um den Schmerz zu teilen", sagt ein Arbeitskollege von Tugces Vater der Nachrichtenagentur AFP.

Freunde wollen weiße Luftballons mit Abschiedsworten und einem Zitat Tugces' in den Abendhimmel steigen lassen: "Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen."

Mehrere tausend Menschen hatten ihre Teilnehme an der Mahnwacheauf Facebook zugesagt. "Tugce zeigte Zivilcourage, zeigen wir ihr unseren Respekt" lautete das Motto. Rund 1500 sind schließlich gekommen.

Sie senden mit erhobenen Kerzen einen letzten Gruß nach oben in Richtung des Fensters, wo die Eltern der jungen Frau stehen. Ein Klavierspieler stimmt Tugces Lieblingsstücke an. Ein Song ist darunter, den sie selbst auf der Abschiedsfeier ihrer Schulklasse spielte - dass es erklingt, soll der Wunsch des Bruders gewesen sein.

Die Trauer vereint Menschen jeden Alters. "Sie ziehen ein Kind groß und auf einmal verlieren sie es. Den Schmerz möchte ich nicht erleben", sagt eine Rentnerin, die mit Freundinnen zur Mahnwache gekommen ist.

Die Studentin war am 15. November nach einer Auseinandersetzung in einem McDonald's von einem 18-Jährigen auf dem Parkplatz abgepasst und schwer gegen den Kopf geschlagen worden. Die junge Frau stürzte auf den Asphalt. Durch Schlag oder Sturz erlitt sie ein Schädel-Hirn-Trauma und fiel ins Koma. Am Mittwoch war Tugce A. für hirntot erklärt worden.

Zeugen des Streits in dem Offenbacher Fast-Food-Restaurant werfen den McDonald's-Mitarbeitern vor, nicht rechtzeitig eingeschritten zu sein. Doch die Restaurantkette McDonald's stellt sich vor ihre Mitarbeiter: Diese hätten sich an dem Abend der tödlichen Prügelattacke nichts zuschulden kommen lassen, teilte Unternehmenssprecher Philipp Wachholz mit. Es gebe "aktuell für uns keinen Anlass, von einem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter auszugehen".

Während der Trauerfeier blieb die Filiale zu. "Dieses Restaurant bleibt aus Respekt vor dem schrecklichen Verlust für ihre Familie und Freunde für den Rest des heutigen Tages geschlossen", stand auf einem Schild vor der Eingangstür.

Der mutmaßliche Täter sitzt derweil in Untersuchungshaft und schweigt. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Von zwei Mädchen, denen Tugce vor dem Angriff offenbar helfen wollte, fehlt noch immer jede Spur. Die Polizei sucht sie als wichtige Zeuginnen.

Tugce ist an diesem Freitag 23 Jahre alt geworden. Ihre Eltern hatten in einer Stellungnahme mitgeteilt, die lebenserhaltenden Maschinen in der Klinik noch an diesem Abend abstellen lassen zu wollen.

daf/AFP/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
TS_Alien 28.11.2014
1.
Zivilcourage ist wichtig, sie hält die Gesellschaft der aufrechten Bürger zusammen. Wenn das endlich auch die Polizei und Justiz einsehen, dürften die kriminellen Elemente vielleicht nicht weniger werden, jedoch früher und deutlicher ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Bei Straftaten hat das elende Gutmenschentum nichts zu suchen.
fab64 28.11.2014
2. Tapfere Tugce!
Mein Mitgefühl ist in diesen Stunden bei Deiner Familie, meine Gedanken sind bei Dir!
Max Murks 28.11.2014
3. Welch ein Verlust,...
....dieses Mädchen und ihre Familie hat sich in Deutschland integriert und auch wohl gefühlt. Sie hat studiert und ihre Eltern und Familie waren stolz auf sie. Sie hat Kante gezeigt gegen diese verwöhnten Machos und musste dafür mit ihrem Leben bezahlen. Ich kannte sie und Ihre Familie nicht persönlich, aber sie waren sehr beliebt bei uns in Bad Soden-Salmünster.
Otis 28.11.2014
4. Farewell, Tugce !
Courage. Einfach Courage. Farewell, liebe Tugce !!!
francoilgatto1! 28.11.2014
5. Respekt
Es müßte mehr mutige Menschen wie diese Frau in unserer Gesellschaft geben. Ich hoffe, ihre Courage zu haben, wenn ich jemals in eine solche Situation kommen sollte. Dem Täter soll ein langes Leben beschieden sein, damit viel Zeit zum Nachdenken hat - und zur Buße!
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