Tunesien Homosexueller zeigt Vergewaltigung an - und muss in Haft

In Tunesien hat ein Mann eine Vergewaltigung angezeigt. Jetzt wurde das mutmaßliche Opfer zu sechs Monaten Haft verurteilt - weil es homosexuell ist.

Ein Mann demonstriert in Tunis gegen die Stärkung von Schwulenrechten (Archivbild)
DPA

Ein Mann demonstriert in Tunis gegen die Stärkung von Schwulenrechten (Archivbild)


Am 2. Januar erstatte ein 26-Jähriger in der tunesischen Küstenstadt Sfax Anzeige bei der Polizei. Er erklärte, sich im Internet mit einem Mann zum Sex verabredet zu haben. Am vereinbarten Treffpunkt hätten ihn dann zwei Männer ausgeraubt und vergewaltigt.

Wie die Menschenrechtsorganisation Shams berichtet, wurde der Mann nach einer ersten Befragung zwangsweise einer analen Untersuchung unterzogen, anhand derer die Polizei verifizieren wollte, ob er homosexuell sei.

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer kam in Untersuchungshaft. Jetzt wurde der Mann von einem Gericht zu acht Monaten Haft verurteilt. Der Richter sah es als erwiesen an, dass keine Vergewaltigung vorlag, sondern ein Streit im Anschluss an die sexuelle Begegnung.

Die beiden Angreifer verurteilte das Gericht zu jeweils sechs Monaten Haft wegen Homosexualität, zu weiteren 15 Tagen wegen Gewaltanwendung sowie anderthalb Monaten wegen Diebstahls. Der Anwalt des 26-Jährigen will jetzt gegen das Urteil Berufung einlegen.

Die Organisation Damj zur Verteidigung sexueller Minderheiten nannte das Urteil eine "eklatante Verletzung der Menschenrechte und der moralischen Würde". Sie forderte das sofortige Ende aller juristischen Verfolgungen auf Grundlage des Artikels 230 im tunesischen Strafrecht, der Sex unter Angehörigen des gleichen Geschlechts mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Außerdem müssten die erniedrigenden Analuntersuchungen umgehend eingestellt werden.

Die Zahl der Verurteilungen wegen Homosexualität ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2018 wurden 27 Haftstrafen wegen des Delikts ausgesprochen.

ala/AFP



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