Überfall am Horn von Afrika Piraten entführen deutschen Frachter aus Konvoi

Sorge bei der deutschen Reederei Intersee: Somalische Piraten haben einen Frachter des Unternehmens vor der Küste des Jemen entführt - ungewöhnlich dreist aus einem Konvoi heraus. Elf Rumänen an Bord befinden sich in der Gewalt der Seeräuber. "Sie sind unverletzt", sagt ein Firmensprecher SPIEGEL ONLINE.

Hamburg - Somalische Piraten haben im Golf von Aden ein weiteres deutsches Schiff gekapert: Die Reederei Intersee in Haren an der Ems bestätigte, dass es sich bei dem entführten Frachter um die "MS Victoria" handelt. Der deutsche Frachter fährt unter der Flagge von Antigua und ist rund 142 Meter lang.

Man habe inzwischen telefonischen Kontakt zum Kapitän gehabt, sagte Reederei-Sprecher Thomas Nintemann SPIEGEL ONLINE: "Die Besatzung ist unverletzt, das Schiff nicht stärker beschädigt." Darüber hinaus wolle man die Situation zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren.

Die US-Marine teilte mit, dass die Besatzung aus elf Rumänen besteht. Bereits am Dienstagnachmittag hätten Piraten die "MS Victoria" 75 nautische Meilen südlich vor der Küste des Jemen in ihre Gewalt gebracht. In der gleichen Region hatte es an diesem Tag drei weitere Angriffe auf Handelsschiffe gegeben, die aber vereitelt wurden, sagte ein Sprecher der US-Marine SPIEGEL ONLINE.

Nach Angaben der EU-Mission Atalanta sei die "MS Victoria" in einem Konvoi von mehreren Frachtern gefahren und wurde völlig überraschend angegriffen. Der Konvoi war zwar bei der internationalen Schutztruppe in der Region angemeldet, wurde aber nicht von einem Kriegsschiff begleitet.

In relativer Nähe befand sich nach Angaben des Sprechers eine türkische Fregatte. Ein von ihr geschickter Hubschrauber kam aber nach dem Notsignal des deutschen Frachters zu spät, um die Entführung zu verhindern. Das Vorgehen der Piraten war ungewöhnlich: Normalerweise schlagen sie in den frühen Morgenstunden zu. "Die Piraten nutzten den Überraschungseffekt", so ein deutscher Marineoffizier.

Mit der "MS Victoria" befinden sich jetzt mindestens 19 Schiffe in der Hand von somalischen Piraten. Darunter sind noch zwei weitere deutsche Frachter, die "Hansa Stavanger" und die "MV Patriot". Beide liegen mittlerweile vor Häfen in Nordsomalia, die von den Piraten kontrolliert werden.

Eine geplante Befreiungsaktion der "Hansa Stavanger" durch die deutsche Anti-Terror-Truppe GSG 9 war aus Sicherheitserwägungen Ende vergangener Woche abgebrochen worden. Die Reederei verhandelt weiter mit den Piraten über ein Lösegeld. Der Fall ist für die Bundesregierung besonders heikel, da sich an Bord auch fünf deutsche Staatsbürger befinden.

Die "MS Victoria", die rund zehntausend Tonnen Reis geladen hat, war Piratenangriffen relativ wehrlos ausgeliefert: Mit nur 14 Knoten kann das Schiff im Gegensatz zu anderen Frachtern angreifenden Piraten kaum entfliehen. In der Vergangenheit waren Dutzende Boote durch Beschleunigung auf maximale Geschwindigkeit von mehr als 16 Knoten angreifenden Piraten noch knapp entkommen.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika

pad/mit Material von AP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.