Überfall auf Freund der Tochter Sechs Jahre Haft für Kastration

Die Tat war extrem, die Strafe ist deutlich: Weil er dem Freund seiner minderjährigen Tochter die Hoden abschnitt, muss ein 48-jähriger Bielefelder für sechs Jahre ins Gefängnis - und dem Opfer 80.000 Euro zahlen.


Bielefeld - Die Richter übertrafen sogar den Staatsanwalt: Ein 48 Jahre alter Bielefelder wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er den Freund seiner minderjährigen Tochter kastriert hat. Außerdem muss er dem 58-jährigen Opfer 80.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte angesichts der "Demütigung und Machtdemonstration" fünf Jahre Haft gefordert. Als strafmildernd wertete sie, dass der Mann "aus Verzweiflung" gehandelt und sich bei dem Opfer entschuldigt habe. Zudem habe er bei der Tat unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten gestanden. Eine Anzahlung von 15.000 Euro auf das Schmerzensgeld ließ der Angeklagte im Gericht bereits an sein Opfer übergeben.

Der Vater hatte zugegeben, den Liebhaber seiner 17-jährigen Tochter im November überfallen und ihm die Hoden abgeschnitten zu haben. Das Opfer hatte schwerverletzt überlebt, weil der Täter anschließend den Notarzt verständigte. Als Motiv für seine Tat ließ der Angeklagte vor Gericht erklären, dass das 58 Jahre alte Opfer seine Tochter zu der Beziehung sexuell genötigt habe.

dab/dpa/dapd



insgesamt 74 Beiträge
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spatenheimer 15.04.2011
1. hmmm
"58-jähriger Bielefelder" ... "48 Jahre alter Bielefelder" ... "17-jährigen Tochter" ... "59 Jahre alte Opfer" Ich bin verwirrt.
fallobst24 15.04.2011
2. naja
es ist schwer zu sagen, aber wenn das mit der sexuellen Nötigung stimmen sollte, dann finde ich eine Art Notwehrsituation gegeben, in der der Vater übertrieben hat. Aber die Strafe fände ich in diesem Falle dann als zu hart.
Liopleurodon, 15.04.2011
3. ...
Zitat von sysopDie Tat war extrem, die Strafe ist deutlich: Weil er dem Freund seiner minderjährigen Tochter die*Hoden abschnitt, muss ein 58-jähriger Bielefelder nun für sechs Jahre ins Gefängnis - und dem Opfer 80.000 Euro zahlen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,757390,00.html
Gut so. Selbstjustiz gehört nicht mehr nach Deutschland!
Ben-99, 15.04.2011
4. Ekelhaft
... wohl eines der widerlichsten Verbrechen der neueren deutschen Kriminalgeschichte. Ich hatte schon befürchtet, daß der Täter mit einer Bewährungsstrafe davonkommt, weil der Wunsch nach ungesühnter Selbstjustiz in primitiven Kreisen immer lauter wird und durch entsprechende Berichterstattung mancher Zeitungen auch noch angeheizt wird.
fatalismo 15.04.2011
5. was man so 'deutlich' nennt...
Nun ja, wenn ich mir so manche Urteile wegen Vermögensdelikten anschaue, dann stelle ich mir bisweilen schon die Frage, ob es so etwas wie ein Primat des Eigentums gegenüber der anscheinend vernachlässigenswerten Unverletzlichkeit von Leib und Seele gibt. Und manchmal gerate ich dann schon ins Häretische: Könnte es sein, dass die beklagte Missachtung eben jener körperlichen und seelischen Integrität ihre Gründe in diesem Ungleichgewicht hat?
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