Überfall-Tragödie in Sittensen Staatsanwaltschaft klagt Rentner an

Mit seinen Freunden brach ein 16-Jähriger in das Haus eines Rentners ein - und wurde auf der Flucht von dem 78-Jährigen erschossen. Die Staatsanwaltschaft ging zunächst von Notwehr aus, hat nun aber doch Anklage erhoben. Grund seien neue Zeugenaussagen.

Gedenken an 16-Jährigen: Der Jugendliche wurde bei einem Einbruch erschossen
DPA

Gedenken an 16-Jährigen: Der Jugendliche wurde bei einem Einbruch erschossen


Hamburg - Wegen der tödlichen Schüsse auf einen flüchtenden Räuber hat die Staatsanwaltschaft Stade nun doch Anklage gegen einen 78-jährigen Rentner erhoben. Nach erneuten Zeugenbefragungen habe sich eine andere rechtliche Bewertung ergeben, sagte Staatsanwalt Burkhard Vonnahme. Die Anklage lautet Totschlag.

Der Rentner war im Dezember 2010 von fünf jungen Männern auf seinem Grundstück mit vorgehaltener Waffe überfallen und ausgeraubt worden. Als die Alarmanlage losging, flüchteten die Täter. Der Rentner schoss ihnen mehrmals hinterher und traf den 16-Jährigen Labinot S. tödlich.

Die anderen Täter im Alter von 23 bis 25 Jahren wurden im Juli 2011 wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Ermittlungsverfahren gegen den Rentner wurde kurz darauf eingestellt, weil er nach der damaligen Überzeugung der Staatsanwaltschaft aus Notwehr gehandelt hatte.

Gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens hatte die Familie des Getöteten Beschwerde eingelegt. Alle Zeugen seien deshalb nochmals angehört worden, sagte Vonnahme. Die Aussagen seien erneut mit den Spuren am Tatort und mit den Angaben des Rentners verglichen worden. "Daraufhin hat sich die Waage zum Nachteil des 78-Jährigen geneigt", so der Staatsanwalt. Eine Notwehrsituation sei "objektiv und subjektiv fraglich". Somit sei der Schuss in den Rücken des Jugendlichen nicht gerechtfertigt gewesen und müsse als Totschlag bewertet werden.

Das Landgericht Stade muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und die Hauptverhandlung eröffnet wird. Der Rentner bleibt vorerst auf freiem Fuß. Laut Staatsanwaltschaft besteht kein Haftgrund.

hut/dapd



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