Psychiatrie in Hamburg Schon früher Ermittlungen gegen UKE-Sicherheitsdienst

In Hamburg starb ein Psychiatriepatient nach einem Einsatz von Sicherheitsleuten. Nun ist bekannt geworden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht zum ersten Mal gegen den Dienst.

Psychiatrie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf
Jean-Pierre Ziegler/ Spiegel Online

Psychiatrie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf

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Gegen den Sicherheitsdienst des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf wurde seit 2015 in mindestens vier Verfahren ermittelt. Drei davon bezogen sich auf den Verdacht "einer Straftat gegen die körperliche Unversehrtheit". Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Hamburger Linkenpolitiker Deniz Celik und Martin Dolzer hervor.

In zwei Fällen hat sich Vorwurf allerdings nicht erhärtet, die Verfahren wurden eingestellt. Das dritte ist offen, bei dem vierten Fall handelt es sich um einen Vorwurf, der sich nicht gegen die körperliche Unversehrtheit richtet - worum es genau geht, wird in der Anfrage nicht beantwortet. Auch die Umstände der anderen Fälle werden nicht erläutert.

Das UKE war am späten Freitagabend nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Laut der Anfrage sind auch aus den Asklepios Kliniken drei Anzeigen gegen Sicherheitsmitarbeiter bekannt. Nähere Angaben dazu machte der Senat nicht.

Das UKE steht nach einem tödlichen Vorfall in der Kritik. Am Ostersonntag kam es zu einem Einsatz von drei Sicherheitskräften gegen einen Patienten der Psychiatrie. Der 34-jährige William Tonou-Mbobda befand sich laut Polizei außerhalb des Gebäudes. Drei Sicherheitsleute hätten unter Zwang versucht, ihn zurück auf die Station zu bringen. Er verlor demnach das Bewusstsein und musste reanimiert werden. Wenige Tage später starb Tonou-Mbobda.

Dem UKE zufolge sei der Patient fixiert worden, weil er sich der Anordnung zur Unterbringung widersetzt habe. Es sei dann zu einem "medizinischen Zwischenfall" gekommen.

Das LKA ermittelt

Laut Staatsanwaltschaft starb Tonou-Mbobda an Herzversagen. Ob die Ursache eine Vorerkrankung oder Gewalteinwirkung sei, müsse noch geklärt werden. Das Landeskriminalamt ermittelt gegen die drei Sicherheitsleute und die diensthabende Ärztin. Der Vorwurf: Körperverletzung mit Todesfolge.

Die "taz" hatte unter Berufung auf Augenzeugen von brutalen Szenen berichtet. Drei Sicherheitsleute seien auf den Patienten losgegangen, als er sich geweigert habe, ein Medikament zu nehmen. Ein anonymer Mitarbeiter berichtete der Zeitung von Rassismus bei den Sicherheitsleuten.

Vom UKE heißt es, man nehme die Vorwürfe sehr ernst. Es gebe verschiedene Kanäle, bei denen Missstände gemeldet werden könnten. Dazu zähle der Arbeitskreis anonyme Hinweise, das Lob- und Beschwerdemanagement, der Ombudsmann sowie die Bereiche Recht und Compliance. In den vergangenen Jahren sei bei keiner dieser Stellen eine Meldung zu Rassismus im Sicherheitsdienst eingegangen.



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