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Ukraine Radikale Muslime sollen 19-Jährige gesteinigt haben

In einem Waldstück auf der Krim hat die Polizei die Leiche einer 19-Jährigen entdeckt. Der Schädel war zertrümmert, auch Hinweise auf ein Sexualdelikt wurden gefunden. Ein klassischer Raubmord, sagen die Ermittler. Ein religiös motivierter Ritualmord, behaupten örtliche Zeitungen.

Eines steht fest: In Ilitschewo auf der Krim kam es vor zehn Tagen zu einem schweren Verbrechen. Die 19-jährige Katja K., ehemals Aspirantin auf den Titel der "Miss Ukraine", wurde tot in einem Waldstück aufgefunden. Wie russische Zeitungen am Dienstag berichten, wurden ihr mehrere schwere Kopfverletzungen zugefügt - "vermutlich mit einem stumpfen Gegenstand, wahrscheinlich mit einem Stein", wie Polizeimajor Dmitri Kratko der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" sagte.

Kurz darauf entbrannte ein Streit um das mögliche Tatmotiv. "Wahhabiten haben ein Mädchen zu Tode gesteinigt", meldeten Lokalzeitungen und behaupteten, die junge Frau sei Opfer eines radikalen Moslems geworden, der sie für ihren freizügigen Lebensstil bestrafen wollte.

Die Polizei dementierte Gerüchte um einen religiös motivierten Ritualmord. Bei der Straftat habe es sich um einen klassischen Raubmord gehandelt, sagte Polizeichef Sergej Resnikow auf einer Pressekonferenz am Dienstag. "Es war ein absolutes Standard-Verbrechen", betonte er. Begangen von einem Schüler, der mit dem Opfer zusammen an der Fachschule studierte.

Das Ganze habe nicht im Entferntesten mit religiösen Konflikten zu tun. Kardinalziel des mutmaßlichen Täters sei es gewesen, an die persönlichen Gegenstände der Toten zu gelangen. "Er hat sie auf dem Moped in den Wald gefahren und dort das Verbrechen begangen." Weil die Hosen des Opfers zerrissen waren, untersuche man derzeit, ob zusätzlich ein Sexualdelikt vorliegt.

Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um den 15-jährigen Biljal G., der kurz nach seiner Festnahme ein Geständnis ablegte: Er habe das Mädchen unter einem Vorwand in den Wald gelockt und dann getötet - weil sie sich nicht an die Scharia gehalten habe. Laut "Komsomolskaja Prawda" soll er als Waisenkind im Alter von zwei Monaten adoptiert worden sein und fortan bei einer russischen Mutter und einem muslimischen Vater gelebt haben. Angeblich stand er unter dem Einfluss strenggläubiger Muslime, auf der Krim ansässiger Wahhabiten.

Der Junge soll überdurchschnittlich intelligent sein, aber seit einer Kopfverletzung bei der Geburt auch neurologische Probleme haben. Er habe oft das Bewusstsein verloren, hieß es. Mitbewohner von G. erzählten, er habe sein Opfer gekannt und sehr gemocht, die 19-Jährige habe ihn jedoch auf Grund des Altersunterschieds wenig beachtet. Irgendwann soll er ihr gedroht haben, aber niemand habe darauf reagiert.

G. wurde des Mordes angeklagt. Drei weitere Jugendliche sollen an der "Steinigung" beteiligt gewesen sein - nach ihnen wird derzeit gesucht.

In der Krim-Region leben etwa 250.000 muslimische Tartaren, von denen allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit religiös motivierten Steinigungen berichtet wurde. Der ukrainische Geheimdienst beobachtet seit längerem eine gewisse Radikalisierung unter den Krim-Tataren, die ansonsten einer sehr gemäßigten Ausprägung des Islam anhängen.

Im Sommer 2010 gab es Medienberichten zufolge auf der Krim einen ähnlicher Fall: In der im Norden der Halbinsel gelegenen Stadt Dschankoj soll ein 27-jähriger Tatar einen Fünfjährigen erstochen haben, währen dieser mit seiner kleinen Schwester in der Sandkiste spielte. Laut den Behörden ist der Täter psychisch krank. In der Öffentlichkeit kursierten aber immer wieder Gerüchte über einen Ritualmord des angeblich einer wahhabitischen Sekte angehörenden Mannes.

Kurz zuvor war es im Kreis Bachtschyssaraj zu einer Gewalttat gekommen: Dort wurde ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt und getötet. Dann schnitt der Täter seinem Opfer den Kopf ab. Auch hier stuften Gutachter den Täter als psychisch krank ein.

ala

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