"Bayerisches Alcatraz" Was Uli Hoeneß im Gefängnis erwartet

Blaue Häftlingskleidung, einfache Zellen, kein Sky: Wird das Urteil gegen Uli Hoeneß rechtskräftig, muss der 62-Jährige seine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren in der JVA Landsberg antreten. Was erwartet ihn dort?
Eingangsgebäude der JVA Landsberg: Hier muss Uli Hoeneß voraussichtlich seine Haftstrafe antreten

Eingangsgebäude der JVA Landsberg: Hier muss Uli Hoeneß voraussichtlich seine Haftstrafe antreten

Foto: Sven Hoppe/ dpa

München - Noch ist das Urteil gegen Uli Hoeneß nicht rechtskräftig - doch schon bald dürfte der zurückgetretene Präsident des FC Bayern ein Schreiben der Staatsanwaltschaft erhalten: die Ladung zum Haftantritt, nach der sich der 62-Jährige in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg am Lech einzufinden hat.

Was ihn dort erwartet, ist ein Knast mit Historie. Vor mehr als hundert Jahren wurde das Gefängnis eingerichtet. Adolf Hitler hat hier nach seinem Putschversuch von 1923 hinter den Festungsmauern eingesessen und soll dabei mehrere Kapitel von "Mein Kampf" diktiert haben.

Eher weniger bekannt dürfte dagegen die Rolle sein, die das zwischen 1904 und 1908 erbaute Gefängnis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte. Die Amerikaner bauten es damals laut "Augsburger Allgemeinen" zum "War Criminal Prison No. 1" um, mehr als 250 NS-Verbrecher endeten bis 1951 am Galgen der Haftanstalt - es waren die letzten Todesurteile, die in Westdeutschland nach dem Krieg vollstreckt wurden.

Im Jahr 1958 übergab die US-Verwaltung das Gefängnis an den Freistaat Bayern. Doch auch für die Nachkriegsjahrzehnte ist die Gefangenenliste prominent besetzt. Insassen der JVA Landsberg waren unter anderem

  • Dieter Zlof, Entführer des Industriellen-Sohns Richard Oetker

  • Marcel Avram, Konzertmanager, verurteilt wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe

  • Helg Sgarbi, Erpresser der Milliardärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten

  • Karl-Heinz Wildmoser junior, Unternehmer und ehemaliger Fußball-Funktionär, verurteilt wegen Bestechlichkeit und Untreue.

"Bayerisches Alcatraz" nannte der Klatschreporter Michael Graeter die JVA Landsberg, nachdem er selbst dort eingesessen hatte. Laut "Süddeutscher Zeitung" haben sich die Gefangenenunterkünfte seit dem Krieg kaum verändert. Nur der Festungsbau, in dem Hitler saß, wurde demnach gründlich umgestaltet.

554 Plätze gibt es in dem Gefängnis, das mitten in Landsberg liegt. Unter den Gefangenen sind vor allem sogenannte Ersttäter. Vielleicht auch deshalb gilt die Einrichtung als relativ angenehme Haftanstalt; im Gefängnisportal "Knast.net" loben Insassen und Angehörige die "Vielzahl an interessanten Freizeitbetätigungen" sowie "eine der besten Knastküchen Deutschlands".

40-Stunden-Woche für die Häftlinge

Wie in jeder JVA ist der Tagesablauf in Landsberg straff geregelt. Um 6 Uhr sei wecken, berichtete kürzlich die Münchner "Abendzeitung", danach gehe es für die Insassen an die Arbeit. "Gefangene sind verpflichtet, eine ihnen zugewiesene, ihren Fähigkeiten angemessene Arbeit auszuüben, soweit sie dazu körperlich und geistig in der Lage sind", heißt es dazu im bayerischen Strafvollzugsgesetz.

Die Leitung der JVA Landsberg wollte sich auf Anfrage nicht zu den genauen Abläufen der Anstalt äußern. Zwölf Eigenbetriebe stehen laut "Abendzeitung" in Landsberg als Arbeitsplatz zur Verfügung: Küche, Bäckerei, Wäscherei, Schlosserei, Schreinerei, Schneiderei, Schuhmacherei, Druckerei, Buchbinderei, Bau, Autowerkstatt und zwei landwirtschaftliche Betriebe. Wo man als Häftling eingesetzt wird, hängt auch von der persönlichen Eignung ab. "Herr Hoeneß ist ja Wurstfabrikant", sagte der Vorsitzende des Bundes der Stravollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl, der Nachrichtenagentur dpa. Er hat rund 20 Jahre als Vollzugsbediensteter in Straubing gearbeitet. Hoeneß könne mit seinen Fähigkeiten beispielsweise in der Küche arbeiten. Zur Arbeit verpflichtet ist Bachl zufolge jeder Häftling, der das Rentenalter noch nicht erreicht hat.

Blaue Häftlingskleidung, karge Zellen, kein Sky

Je nach Qualifikation liegt der Stundenlohn bei 1,06 Euro bis zu 1,77 Euro, heißt es beim Internetportal des Bayerischen Justizvollzugs . Netto haben die Gefangenen demnach eine 40-Stunden-Woche.

Die Zellen sind überschaubar im "Hotel Vier Eisenstangen", wie Klatschreporter Graeter formulierte. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl sowie ein Waschbecken gibt es in den acht und zehn Quadratmeter großen Einzelzellen. Das Klo ist separat, die Gemeinschaftsduschen sind auf dem Flur, sagt Bachl. Viel Platz dürfte Hoeneß für seine Habseligkeiten jedoch ohnehin nicht brauchen. An seinem ersten Tag im Gefängnis muss er Bachl zufolge alle wertvollen Gegenstände wie beispielsweise eine teure Uhr sowie sein Smartphone abgeben. Persönliche Gegenstände wie Fotos dürfe er aber behalten.

Dreiviertel der Häftlinge in Landsberg leben laut "Abendzeitung" in einer Einzelzelle, in der sie Fernsehen schauen oder Radio hören dürfen. Nur Live-Fußball via Sky ist keine Option: Pay-TV könne grundsätzlich in bayerischen Justizvollzugsanstalten nicht empfangen werde, teilte das Justizministerium des Landes mit. Sogenannte Intimzimmer gibt es in der JVA Landsberg dem Blatt zufolge nicht.

Sollte Hoeneß tatsächlich eine Zelle in Landsberg beziehen, dürfte er ohnehin andere Sorgen haben. Einen Promibonus gebe es für ihn jedenfalls nicht, sagte Bachl. So habe er auch keinen Anspruch auf eine Einzelzelle - ob er eine bekomme, hänge davon ab, wie voll es in der JVA ist. "Es ist auch möglich, dass Herr Hoeneß Tür an Tür mit Gewaltverbrechern leben muss, oder mit ihnen gemeinsam in einer Zelle sitzt."

rls/gam/dpa/AFP
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