Uniklinik in Ulm Fünf Frühchen mit Morphium vergiftet - Krankenschwester unter Verdacht

Eine Krankenschwester soll im Universitätsklinikum Ulm mehreren Säuglingen Morphium verabreicht haben. Das schnelle Eingreifen des Personals rettete die Kinder.
Universitätsklinikum Ulm (Archivbild): Ermittlungen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung

Universitätsklinikum Ulm (Archivbild): Ermittlungen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Eine Krankenschwester soll in der Ulmer Universitätsklinik fünf Frühchen durch Verabreichung von Morphium in Lebensgefahr gebracht haben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten , wurde die Frau nach Hinweisen des Krankenhauses auf verdächtige Rückstände im Urin der Kinder als mutmaßliche Verursacherin ermittelt.

Die Verdächtige wurde festgenommen, die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl. Die Ermittler werfen ihr versuchten Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen vor. Demnach hatten die in einem Zimmer untergebrachten Frühchen am 20. Dezember zeitgleich an lebensbedrohlichen Atemproblemen gelitten, wurden aber durch den sofortigen Einsatz des Personals gerettet.

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft vermutete das Krankenhaus zunächst eine Infektion als Ursache. Tests von Urinproben der Babys schlossen das jedoch aus. Die Proben wiesen zugleich Rückstände des Schmerzmittels Morphium auf, obwohl zumindest zwei der betroffenen Kinder gar keines erhalten sollten. Daraufhin alarmierte die Leitung die Polizei.

"Wir entschuldigen uns bei Eltern und Kindern"

Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten Beamte am Dienstag unter anderem Spinde von Mitarbeitern, die im fraglichen Zeitraum Dienst auf der Station hatten. Im Schrank einer Krankenschwester fanden sie eine Spritze mit Muttermilch, die ersten Analysen zufolge Morphium enthielt. Daraufhin wurde die Frau festgenommen. Über ein Motiv ist bislang nichts bekannt.

"Wir bedauern es sehr, dass es zu einem solchen Zwischenfall gekommen ist und entschuldigen uns ausdrücklich bei den Eltern und Kindern dafür", sagte der Leitende Ärztliche Direktor Udo Kaisers einer Mitteilung  zufolge. Die Klinik habe inzwischen einen Krisenstab eingerichtet.

Die Ermittlungsbehörden sowie die Uniklinik haben für Donnerstag Pressekonferenzen angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textfassung hieß es, das Morphium soll den Babys gespritzt worden sein - die Säuglinge wurden aber wohl mittels manipulierter Muttermilch vergiftet. Wir haben die Passage umformuliert.

sen/mxw/dpa/AFP
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