Vergewaltigungsfall in Ulm Gericht verurteilt vier Männer zu mehrjährigen Haftstrafen

Das Landgericht Ulm hat vier Asylbewerber der Vergewaltigung einer 14-Jährigen schuldig gesprochen. Nur ein angeklagter 15-Jähriger muss nicht ins Gefängnis.
Foto vom Prozess im Landgericht Ulm (Archivbild)

Foto vom Prozess im Landgericht Ulm (Archivbild)

Foto: Felix Kästle / dpa

Vier Männer sind vor dem Landgericht Ulm wegen der Vergewaltigung einer 14-Jährigen in der Halloween-Nacht 2019 zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer die Jugendliche in einer Flüchtlingsunterkunft in Illerkirchberg im Alb-Donau-Kreis teils mehrfach vergewaltigt hatten, hieß es in der Begründung.

Zwei 17-Jährige erhielten Jugendstrafen von je zwei Jahren und drei Monaten. Einer der Männer wurde der Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung, der andere wegen Vergewaltigung in drei Fällen schuldig gesprochen.

Ein 28-Jähriger wurde wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt, ein 26-Jähriger ebenfalls zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis wegen Beihilfe zur Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung und unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige.

AfD hatte Prozess zeitweise instrumentalisiert

Die Männer hatten die junge Frau laut Anklage mit Betäubungsmitteln zunächst wehrlos gemacht und sich dann an ihr vergangen. Zuvor hatten sie die alkoholisierte Jugendliche überredet, mit ihnen zu der Flüchtlingsunterkunft in Illerkirchberg zu fahren. Die Schülerin hatte später ihren Eltern und der Polizei von den Verbrechen in der Nacht und am Tag danach erzählt.

Bei allen Verurteilten handelte es sich um Asylbewerber aus Afghanistan und dem Irak. Lokale AfD-Vertreter hatten den Prozess zeitweise genutzt, um vor dem Gericht Stimmung gegen Ausländer zu machen.

Die Angeklagten im Alter zwischen 17 und 26 Jahren hatten die meiste Zeit des Prozesses geschwiegen. Dass sie sich gegen Ende des Verfahrens zu den Taten teils eingelassen hatten, wurde vom Gericht strafmildernd berücksichtigt, so der Vorsitzende Richter.

»Zweifel« bestehen weiter

Der Prozess, der weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wurde, war demnach durch die schwierige Vernehmung des Opfers geprägt. »Es gab Zweifel und es sind auch noch Zweifel vorhanden«, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Die Strafen gegen die vier Männer seien »nahezu am untersten Rand« des Strafmaßes angesiedelt.

Der Prozess hatte ursprünglich gegen fünf Angeklagte begonnen. Das Verfahren gegen einen 15-jährigen Iraner war nach der Verständigung auf einen Täter-Opfer-Ausgleich eingestellt worden. Das bedeutet, dass der 15-Jährige und das Opfer unter professioneller Aufsicht miteinander sprechen sollen.

fek/dpa
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