Umstrittener Psychiatriefall Ex-Frau belastet Gustl Mollath

Kurz vor dem Auftritt von Gustl Mollath vor dem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages äußert sich jetzt die Ex-Frau des 56-Jährigen. Laut einem Zeitungsbericht stellt sie die Glaubwürdigkeit Mollaths in Frage, der zwangsweise in der Psychiatrie sitzt.
Gustl Mollath: Dienstag tritt er vor dem Untersuchungsausschuss auf

Gustl Mollath: Dienstag tritt er vor dem Untersuchungsausschuss auf

Foto: David Ebener/ dpa

Monatelang schwieg sie, jetzt hat sich die Ex-Frau von Gustl Mollath ausführlich über ihr Leben mit dem 56-Jährigen geäußert. Wie der "Nordbayerische Kurier" berichtet, stellt Petra M. zentrale Behauptungen des Mannes in Frage, der seit mehr als sieben Jahren zwangsweise in der Psychiatrie einsitzt.

Mollath selbst sieht sich als Opfer der Justiz. Er hatte Petra M. beschuldigt, als Angestellte der HypoVereinsbank an Schwarzgeldgeschäften beteiligt gewesen zu sein. Die Frau wiederum hatte Mollath Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Diese Anschuldigungen von Petra M. führten dazu, dass das Landgericht Nürnberg-Fürth Mollath 2006 schuldunfähig sprach und wegen angeblicher Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie einwies. Teile von Mollaths Anschuldigungen stellten sich später aber als berechtigt heraus, der Fall des Mannes gilt seitdem bei Kritikern als Beispiel für richterliches Versagen.

Petra M. bestreitet laut dem "Nordbayerischen Kurier" jetzt unter anderem die Aussage Mollaths, er habe sich bei Streitereien des Paares lediglich gewehrt, wenn seine damalige Frau dabei auf ihn losgegangen sei: "Ich habe ihn nicht angegriffen", sagte demnach Petra M. Sie habe damals 54 Kilogramm gewogen, Mollath dagegen mehr als 90. Immer wieder habe sie von den Schlägen ihres Mannes blaue Flecken gehabt.

"Wenn Gustl mich anzeigt, mache ich ihn fertig"

Inzwischen wurde im Zuge des Wiederaufnahmeverfahrens der Staatsanwaltschaft Regensburg eine neue Zeugin vernommen. Nach SPIEGEL-Informationen erklärte die Frau, eine alte Freundin von Petra M., dass Mollath seine damalige Frau bereits in den achtziger Jahren geschlagen habe. Die Zeugin sagte außerdem, dass sie in einem Fall selbst von Mollath bedrängt worden sei, nachdem sich Mollaths Frau in die Wohnung der Freundin geflüchtet hatte. Sie bestreitet auch, dass zwischen ihr und ihrem Ex-Mann jemals Schwarzgeld ein Thema gewesen sei. Davon habe er erst gesprochen, nachdem sie ihn verlassen hatte.

Petra M. wehrt sich auch gegen die Behauptung eines Freundes von Mollath, sie habe ein Gespräch mit ihm mit folgendem Satz beendet: "Wenn Gustl seine Klappe hält, kann er 500.000 Euro von seinem Vermögen behalten, das ist mein letztes Wort." Laut dem Zeitungsbericht sagte Petra M. dazu: "Von welchem Vermögen Mollaths hätte ich das bezahlen sollen?" Mollath sei völlig überschuldet gewesen.

Petra M., so berichtet es der "Nordbayerische Kurier" unter Berufung auf Schuldtitel und auf Bilanzen von Mollaths früherer Firma, habe mehr als 300.000 Euro in den Betrieb ihres Mannes gepumpt, der damals wertvolle Autos restaurierte. Dennoch liefen die Geschäfte dem Bericht zufolge schlecht: Demnach schwankten die Verbindlichkeiten bis 1998 zwischen 400.000 und 700.000 Euro.

Die Ex-Frau Mollaths stellt zudem die Rolle von Edward Braun in Frage, der als Freund Mollaths gilt und dessen Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft Regensburg von zentraler Bedeutung für deren Wiederaufnahmeverfahren ist. "Wenn Gustl mich und meine Bank anzeigt, mache ich ihn fertig" - dies sagte ihm Petra M. in einem Telefonat im Mai 2002, so Braun. Dazu sagte jetzt Petra M.: "Warum hätte ich drohen sollen, ich war endlich weg."

Der jüngste Vorstoß von Petra M. dürfte auch eine Rolle im Mollath- Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags spielen - dort wird an diesem Dienstag Mollath selbst erwartet. Nach dem Auftritt des 56-Jährigen wird auch Edward Braun als Zeuge vernommen.

hen/BL
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