Frankreich Ermittler rätseln über Soldaten-Morde

Soldaten wurden zur Vorsicht aufgerufen, die Sicherheitsmaßnahmen in Kasernen verstärkt: Nach den Morden an Soldaten im Südwesten Frankreichs rätseln die Ermittler, ob es sich um den selben Täter handelt. Aufschluss erhoffen sie sich von der Untersuchung der Geschosse.

Ermittler am Tatort in Montauban: Zwei Soldaten starben, einer wurde schwer verletzt
AP

Ermittler am Tatort in Montauban: Zwei Soldaten starben, einer wurde schwer verletzt


Paris - Innerhalb weniger Tage wurden in Frankreich drei Morde verübt, zuerst einer in Toulouse, dann zwei nur rund 50 Kilometer weiter nördlich in Montauban. Beide Male waren Armeemitglieder das Ziel: In Toulouse starb am 11. März ein Soldat durch einen Kopfschuss, am Donnerstag wurden zwei Soldaten in Montauban erschossen, ein weiterer wurde lebensgefährlich verletzt, ebenfalls per Kopfschuss.

Hängen die Taten zusammen? Frankreich wartet gespannt auf die Auswertung der Geschosse, die Aufschluss geben wird, ob dieselbe Waffe verwendet wurde. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen handelte es sich in beiden Fällen um ein Kaliber 11,46, das häufig im Schwerkriminellen-Milieu verwendet wird. In Montauban wurden 17 Patronenhülsen gefunden, der Soldat in Toulouse wurde mit einer Kugel getötet.

Auch der Tathergang war in beiden Fällen ähnlich: Der Täter war mit einem großen Motorroller beziehungsweise einem Motorrad unterwegs, beide Male soll er einen Helm mit verdunkeltem Visier getragen haben. Und alle Opfer waren Fallschirmjäger, Mitglieder von Einheiten, die regelmäßig in Afghanistan zum Einsatz kommen.

Inzwischen haben sich Anti-Terror-Kräfte und Experten für Serienmörder in die Ermittlungen eingeschaltet.

Außenminister Alain Juppé sprach von einem "feigen Mord", wandte sich aber dagegen, eine direkte Verbindung zu den Afghanistan-Einsätzen zu ziehen. Die Armee verschärfte ihre Sicherheitsmaßnahmen in der Region um die Stadt Toulouse. Soldaten sollten außerhalb der Kasernen keine Uniform mehr tragen, sagte ein Armeesprecher am Freitag. Zudem wird der Eingangsbereich der Kasernen nun stärker bewacht.

Verteidigungsminister Gérard Longuet hatte am Donnerstagabend in Montauban auf die Frage nach einem terroristischen Hintergrund gesagt, "alle Spuren" müssten verfolgt werden. Es könnte sich um ein persönliches Motiv genauso wie um einen wohlgeplanten Angriff einer Gruppe handeln. Präsident Nicolas Sarkozy sagte, es handele sich zweifellos um Mord, aber die Umstände lägen im Dunkeln.

Nach Angaben von Augenzeugen hatte es der Täter in Montauban gezielt auf die Soldaten abgesehen, die Geld an einem Bankautomaten abheben wollten. Der schwarz gekleidete Unbekannte feuerte mehr als ein dutzend Mal auf die Soldaten im Alter von 24, 26 und 28 Jahren.

bim/AP/AFP



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