Tödlicher Unfall wegen Entenküken Schuldspruch für 25-jährige Tierschützerin

Weil sie Küken über die Straße helfen wollte, verursachte eine 25-Jährige einen tödlichen Unfall. Eine Jury in Kanada hat sie nun für schuldig befunden. Die Frau könnte lebenslang ins Gefängnis kommen.

Angeklagte im Gerichtssaal: Einstimmig schuldig gesprochen
AP/ The Canadian Press/ Graham Hughes

Angeklagte im Gerichtssaal: Einstimmig schuldig gesprochen


Montreal - Eine junge Frau ist auf einer Schnellstraße südlich von Montreal in ihrem Auto unterwegs, als sie mehrere Entenküken sieht, die über die Straße laufen. Sie stellt ihren Wagen auf der linken Spur ab, will die Tiere einsammeln, weil sie deren Mutter nirgends sehen kann. Hinter dem Wagen der Frau fährt ein Vater mit seiner 16-jährigen Tochter auf einem Motorrad, er kann nicht mehr ausweichen und kollidiert mit dem Auto. Vater und Tochter sterben.

Vier Jahre ist der Unfall her, inzwischen beschäftigt er die kanadische Justiz. Eine Jury sprach die heute 25-jährige Angeklagte einstimmig wegen zweifacher schwerer Fahrlässigkeit mit Todesfolge und Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Allein der erste Tatbestand kann mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe geahndet werden, wegen Gefährdung des Straßenverkehrs mit Todesfolge können bis zu 14 Jahre verhängt werden.

Die Anklage setzt auf eine Signalwirkung des Schuldspruchs. "Wir hoffen, dass damit eine deutliche Ansage an die Gesellschaft geht: Wir stoppen nicht für Tiere auf der Schnellstraße. Das ist es nicht wert", sagte die Staatsanwältin.

Der Verteidiger sagte, der Schuldspruch treffe die Angeklagte hart. "Dass sie diesen schweren Unfall verursachte, hat sie schon sehr mitgenommen", sagte der Anwalt. Nun habe sie noch einen langen Prozess unter viel öffentlichem Interesse über sich ergehen lassen müssen. "Dass zwölf Bürger, die Jury, entschieden haben, dass es sich um eine Straftat handelte, ist ein herber Schlag." Seine Mandantin soll nach der Verkündung geweint haben.

Die Witwe und Mutter der beiden Opfer indes musste im Gerichtssaal ebenfalls mit den Tränen kämpfen. "Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes", sagte sie. "Das wird meine Lieben auch nicht wieder zurückbringen."

vks/AP



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lasorciere 23.06.2014
1. ziemlich harte Strafe
Eine ziemlich harte Strafe, da die Frau ja nicht aus böser, sondern aus guter Absicht gehandelt hat und sicher nicht wollte, dass jemand zu schaden kommt.
boingdil 23.06.2014
2. Gutes wollen und schlechtes tun
Zwei Menschenleben wegen ein paar Entenküken. Oh Mann. Es verlangt niemand, das sie da noch extra draufhalten soll. Aber diese Gefährdung von Menschenleben zudem noch wegen einer alles andere als bedrohten Tierart... Auch wenn sie die Toten nicht gewollt hat so eben doch riskiert. Verschobene Prioritäten. Gutes wollen ist eben nicht automatisch gutes machen.
martinom 23.06.2014
3. Dilemma
Zitat von lasorciereEine ziemlich harte Strafe, da die Frau ja nicht aus böser, sondern aus guter Absicht gehandelt hat und sicher nicht wollte, dass jemand zu schaden kommt.
Ganz genau das ist es, was man gemeinhin ein Dilemma nennt. Da die Frau nicht vor der konkreten Entscheidung für die Tiere oder für die beiden Menschen stand, war ihr die Konsequenz ihrer Tat nicht offenbar. Schon mit (sehr) wenig Nachdenken hätte sie allerdings erkennen können, welches Risiko sie für sich selbst und für andere einging. Wobei wir unterstellen wollen, dass sie sich bei einer Güterabwägung zwischen den Tieren und den beiden Menschen für letztere entschieden hätte.
les2005 23.06.2014
4. Welche Strafe
Zitat von lasorciereEine ziemlich harte Strafe, da die Frau ja nicht aus böser, sondern aus guter Absicht gehandelt hat und sicher nicht wollte, dass jemand zu schaden kommt.
Sie ist doch bisher nur für schuldig befunden worden, das Strafmaß noch gar nicht verkündet. Insofern wissen wir noch gar nicht, wie hart die Strafe sein wird. Daß kleine Kinder ohne zu denken über die Straße rennen, wenn sie auf der anderen Seite Freunde sehen, ist bekannt. Drum dürfen sie auch noch keinen Führerschein machen. Als erwachsener Mensch und Fahrzeugführer sollte man aber die Reife haben, verantwortungsvoll zu handeln und die Folgen seines Tuns zu übersehen. Daß es eine ziemlich schlechte Idee ist, auf einer Schnellstraße links zu halten, warum auch immer, sollte einer 25-jährigen klar sein. Das 'ich hab's doch nur gut gemeint' bringt die zwei Toten nicht zurück ins Leben.
baerry 23.06.2014
5.
Über das Strafmaß kann man - als deutscher - sicher diskutieren, aber wie blöd muss man sein auf einer Schnellstraße unvermittelt anzuhalten. Und Enten sind definitiv kein guter Grund das zu tun. Selbst ohne unmittelbar nachfolgenden Verkehr ist das idiotisch und gefährlich.
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