Ungewöhnlicher Mordprozess Bestatter sollen Bestatter erschlagen haben

Es wäre fast der perfekte Mord gewesen: Zwei Bestatter töten einen anderen Bestatter und äschern ihn ein. Einer der Männer hat die Tat vor dem Landgericht in Nürnberg nun gestanden. Das Problem ist nur - die menschlichen Überreste des Opfers sind unauffindbar.

Friedrich P. und Michael S. vor dem Prozess: "Ganz in den Klauen" seines Mitangeklagten
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Friedrich P. und Michael S. vor dem Prozess: "Ganz in den Klauen" seines Mitangeklagten


Nürnberg - Zwei bayerische Bestatter erschlagen aus Habgier einen Kollegen im Bestattungsinstitut, verfrachten seine Leiche in einen Sarg, lassen ihn unter anderem Namen an einem weit entfernten Ort einäschern und entsorgen die Asche schließlich in einem Fluss. Der Mord ohne Leiche, ein fast perfektes Verbrechen, wäre wohl nie aufgeflogen, hätte nicht einer der beiden mutmaßlichen Täter ein Jahr später Reue gezeigt und bei der Polizei ein Geständnis abgelegt.

Seit Dienstag wird der Fall aus dem Jahr 2007 vom Schwurgericht in Nürnberg aufgearbeitet. "Ich dachte mir, jetzt ist Schluss, jetzt mache ich reinen Tisch", schildert der 54 Jahre alte Angeklagte Friedrich P. die Beweggründe für seine Aussage.

Der gleichaltrige Mitangeklagte Michael S. dagegen bestreitet die Tat. Über seine Anwältin lässt er erklären, das mutmaßliche Opfer Erich W. sei noch am Leben und habe sich ins Ausland abgesetzt.

Aber Friedrich P. beschreibt detailliert, wie er und der 43-jährige Erich W. einst stolze Besitzer zweier Bestattungsinstitute in Nordbayern gewesen seien, wie er sich finanziell ruiniert habe und sein Unternehmen dem mitangeklagten S. übergeben habe, von dem er fortan finanziell abhängig, ja dem er sogar hörig gewesen sei.

Auch Erich W. soll sein eigenes Institut in Erlangen dann im Juni 2005 an die Ehefrau von S. verkauft haben, um sich ein schönes Leben machen zu können. Den Kaufpreis in Höhe von knapp 72.000 Euro habe er aber nie bekommen. Deshalb habe Erich W. dem Michael S. auch immer häufiger in den Ohren gelegen. "Der Michael hat vorher schon immer gesagt: Der Erich muss weg!" berichtete P.

"Ich habe mit voller Wucht zugeschlagen"

Als Erich W. mit Michael S. für Karsamstag 2007 ein Treffen im Büro des erworbenen Bestattungsinstituts in Erlangen vereinbart habe, seien die Mordpläne konkret geworden. Michael S. habe P. befohlen, einen Elektroschocker zu kaufen. Weil er sich geweigert habe, sei S. auf die Idee gekommen, ihn mit einem ein Meter langen, acht mal acht Zentimeter dicken Kantholz zu erschlagen, wie sie im Keller des Bestattungsinstituts zuhauf lagen. Er hätte den arglosen W. von hinten erschlagen sollen, wenn sich dieser im Gespräch nicht nachgebe.

Das zweistündige Gespräch zwischen S. und W. im Büro Bestattungsinstituts habe P. dann aber mehrfach verlassen müssen, weil er aus Nervosität ständig eine Zigarette geraucht habe, sagt der Angeklagte vor Gericht. Irgendwann habe S. dann wie vereinbart genickt. "Ich habe das Kantholz mit beiden Händen ganz hinten gehalten und mit voller Wucht zugeschlagen", sagte er.

Mit einem Schlag habe er den Schädel gespalten. "Da trat Hirnmasse aus, geblutet hat es aber wenig." Sie hätten die Leiche in einen Bergesack verpackt, wie er in Bestattungsinstituten vorrätig sei. Dann hievten sie die Leiche in einen Sarg und überlegten, wie sie sie entsorgen sollten. Da kam dem Duo der Zufall zu Hilfe: Nur einen Tag nach dem Mord erhielten sie laut P.s Aussage den Auftrag zur Einäscherung eines Mannes, der eines natürlichen Todes gestorben sei. S. habe die Idee gehabt, dessen Unterlagen zu kopieren und Erich W. unter falscher Identität einäschern zu lassen.

Wenige Tage später seien sie mit den zwei Leichen im Leichenwagen ins Krematorium Fürstenzell bei Passau gefahren, um Erich W. einäschern zu lassen, und anschließend weiter nach Aalen in Württemberg, wo die Leiche des anderen Mannes verbrannt werden sollte. Zurück in Erlangen, verstreute P. die Asche des Mordopfers in der Regnitz. Der andere Tote wurde ordnungsgemäß in Erlangen beerdigt. "Ich fühlte mich mies nach der Tat", sagt P. Sein Komplize sei dagegen erleichtert gewesen. Wenige Tage später soll er im Beisein seiner Ehefrau sogar schon Witze über den Verstorbenen gemacht haben. "Er sagte, der Erich schwimmt jetzt bestimmt schon in der Nordsee", sagt P. aus.

Am 22. März will das Gericht sein Urteil verkünden.

jjc/dpa



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