Urlaubsflirt in der Türkei Struck fordert Freilassung von Marco W.

In den Fall des in der Türkei verhafteten Schülers aus Uelzen hat sich SPD-Bundestagsfraktionschef Struck eingeschaltet. Er verlangt, dass der 17-Jährige sofort freigelassen wird. Der junge Mann war vor zwei Monaten nach einem Urlaubsflirt festgenommen worden.

Peter Struck erwartet von der Türkei, dass der seit zehn Wochen im Gefängnis der Mittelmeerstadt Antalya inhaftierte Schüler Marco W., 17, aus dem niedersächsischen Uelzen "umgehend freigelassen wird". Dem SPIEGEL sagte Struck, der Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Celle-Uelzen ist, er sei "erschüttert über die Haftbedingungen des Jugendlichen und die Abläufe des Strafverfahrens", das "schnellstmöglich zum Abschluss" gebracht werden müsse.

Nach Informationen des SPIEGEL befand sich der Junge mit seinen Eltern im Touristenort Side im Osterurlaub, als es in der Nacht zum 11. April in einem Hotelzimmer zwischen ihm und der 13-jährigen Engländerin Charlotte M. aus Manchester zu intimen Zärtlichkeiten kam. Das Mädchen soll sich dem Deutschen gegenüber als 15-Jährige ausgegeben haben. Im selben Zimmer schlief während der angeblichen Tat eine weitere junge Engländerin. Die 14-jährige Schwester Charlotte M.’s vergnügte sich gleichzeitig mit einer Urlaubsbekanntschaft auf dem Balkon.

Obwohl von Gewalt keine Rede war, nahm die türkische Kriminalpolizei den Schüler wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Haft. Die 40-jährige Mutter des Mädchens hatte Anzeige gegen den jungen Deutschen erstattet. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu acht Jahre Gefängnis. Marco W. muss sich im Gefängnis von Antalya eine Zelle mit mehr als 30 Mitgefangenen aus mehreren osteuropäischen Ländern teilen.

Die Kieler Strafrechtlerin und Kriminologin Monika Frommel sagte dem SPIEGEL, es sei "empörend, wie die türkische Justiz einen jungen Mann kriminalisiert". Der "Terror überholter Moralvorstellungen" zeige, "dass die Türken in Europa noch nicht angekommen sind".

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