Mordfall Ursula Herrmann Polizist sagt zu umstrittenem Geständnis aus

1981 starb die zehnjährige Ursula Herrmann in einer vergrabenen Kiste. Werner M. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Weil der Bruder des Mädchens Schmerzensgeld fordert, befasst sich erneut ein Gericht mit dem Fall.

Der Bruder des Entführungsopfers, Michael Herrmann (Archiv)
DPA

Der Bruder des Entführungsopfers, Michael Herrmann (Archiv)


36 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann am Ammersee will der Anwalt des in einem Indizienprozess verurteilten Werner M. auf Widersprüche in dem Ermittlungsverfahren hinweisen. In einem Zivilprozess zu dem Fall hat nun ein inzwischen pensionierter Kriminalpolizist über Auffälligkeiten bei den Ermittlungen berichtet.

Der Polizist erzählte von der Vernehmung eines anderen Verdächtigen. Dieser habe gestanden, für den Verurteilten ein Loch im Wald gegraben zu haben. Den späteren Widerruf dieses Geständnisses habe er als Schutzbehauptung eingestuft, sagte der Beamte in dem Verfahren, das zuletzt rund ein Jahr geruht hatte.

Auch der Bruder der getöteten Ursula Herrmann, Michael Herrmann, hatte immer wieder bezweifelt, dass ein Einzeltäter im Herbst 1981 seine Schwester entführt und in einer Kiste im Wald vergraben hat. Die Schülerin erstickte darin.

Michael Herrmann klagt vor dem Augsburger Landgericht gegen den verurteilten Täter - auf 20.000 Euro Schmerzensgeld wegen psychischer Schäden und Tinnitus. Die Folge: Erneut muss sich ein Gericht mit dem Fall befassen, in dem es erst 2010 eine strafrechtliche Verurteilung gab. Für Werner M. ist der Prozess daher eine Chance, dass die Ungereimtheiten nochmals diskutiert werden.

M. war 2008 in Schleswig-Holstein festgenommen und später zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der rechtskräftig verurteilte Mann hatte das Verbrechen an dem Kind stets bestritten.

Anmerkung: Werner M. wurde nicht wegen Mordes verurteilt, sondern wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge. Wir haben den entsprechenden Satz korrigiert.

apr/dpa



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