Urteil aufgehoben Mord an Deutschlehrerin erneut vor Gericht

Alex O. sollte für drei Jahre und zehn Monate in Haft, weil sein Bruder für ihn seine Deutschlehrerin erstochen hat. Der Bundesgerichtshof hob die Verurteilung auf. Nun steht der 19-Jährige erneut vor Gericht - und muss mit einer höheren Haftstrafe rechnen.


Lübeck - Der 19-jährige Alex O. schwieg zu der Tat am ersten Tag des neuen Prozesses, berichtet ein Sprecher des Landgerichts Lübeck. Die Neuauflage des Prozesses war notwendig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) seine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft aufgehoben hatte.

Sein älterer Bruder Vitali war in dem ersten Verfahren vor dem Landgericht Lübeck nach Jugendstrafrecht wegen Mordes zu acht Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Dieses Urteil hatte der BGH im Juni bestätigt. Vitali O. hatte im ersten Prozess gestanden, die 55-jährige Realschullehrerin im schleswig-holsteinischen Ahrensburg aus Ärger über eine schlechte Deutschnote für seinen jüngeren Bruder mit einem Fleischermesser erstochen zu haben. Er bestritt aber, die Tat geplant zu haben.

Im Fall seines jüngeren Bruders Alex O. müssen die Lübecker Richter laut BGH nun prüfen, ob er sich des Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht hat, weil er nicht versuchte, seinen Bruder an den Stichen in Hals und Brust der Lehrerin zu hindern. Sollte festgestellt werden, dass beide die Tötung der Lehrerin zuvor verabredet hatten, könnte er auch wegen Mordes verurteilt werden.

jjc/AFP



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