Urteil gegen Altenpflegerin in Frankfurt Lebenslange Freiheitsstrafe nach Mord an 100-Jähriger

Die Pflegerin erstickte ihr Opfer nach Überzeugung des Gerichts mit einem Kissen: Eine 42-Jährige muss wegen Mordes an einer 100 Jahre alten Frau nun lebenslang ins Gefängnis.
Gerichtsgebäude in Frankfurt am Main: Mord an einer 100 Jahre alten Seniorin

Gerichtsgebäude in Frankfurt am Main: Mord an einer 100 Jahre alten Seniorin

Foto: IMAGO/Dirk Sattler

Die Verurteilte muss wohl deutlich länger in Haft, als ihr Opfer noch zu leben gehabt hätte: Das Landgericht in Frankfurt am Main hat eine Altenpflegerin zu lebenslanger Haft wegen Mordes an einer 100-Jährigen verurteilt.

Die Richter sahen es in ihrem Urteil als erwiesen an, dass die 42-Jährige im Januar vergangenen Jahres ihr Opfer in dessen Bett mit einem Kissen erstickt hat. Die Kammer kam nach sieben Monaten Prozessdauer zum Schluss, dass die Verurteilte ihr Opfer tötete, um einen vorangegangenen Hausfriedensbruch und Diebstahlsversuch zu verdecken.

»Das ergibt die Gesamtschau aller Indizien«, sagte der Vorsitzende Richter. Die Frau hatte zuvor als Pflegerin für die Seniorin gearbeitet.

Mit Nachschlüssel in die Wohnung gelangt

Der Vorsitzende Richter zeigte sich überzeugt: »Sie waren in der Wohnung und haben das Kissen auf das Gesicht des Opfers gedrückt, bis es tot war.« Andere Konstellationen ergäben keinen Sinn – weder Motive noch Spuren dazu seien festgestellt worden. Dafür aber habe die Angeklagte in der Zeit vor der Tat in finanziell prekären Verhältnissen gelebt.

Die deutsche Frau, die sich mit einem Nachschlüssel Zutritt zu der Wohnung verschafft hatte, hatte sich nicht zu dem Mordvorwurf geäußert. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

Der Indizienprozess hatte im April begonnen und die Schwurgerichtskammer an 17 Verhandlungstagen beschäftigt. Bei der Toten handelte es sich um die Tochter des Biophysikers und Frankfurter und Aschaffenburger Ehrenbürgers Friedrich Dessauer (1881–1963). Sie war als Übersetzerin, Lektorin und Buchautorin tätig.

Schon während ihrer mehrwöchigen Tätigkeit als Pflegerin der am Mainufer in Frankfurt-Sachsenhausen lebenden Seniorin habe sie verschiedene stehlenswerte Gegenstände in deren Wohnung fotografiert sowie Kenntnisse über den Aufbewahrungsort des Bargelds erlangt. Nach der Tat manipulierte sie die Standorte ihres Mobiltelefons.

Darüber hinaus habe sie sich bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung verdächtig verhalten, indem sie nicht nach der Person des Opfers gefragt habe, als man sie allgemein mit einem Tötungsdelikt konfrontiert habe, hieß es in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

apr/dpa
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