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14. Juni 2012, 15:35 Uhr

Urteil in Kiel

Ex-Rocker muss mehr als vier Jahre in Haft

Das Landgericht Kiel hat den früheren Chef der Rockergruppe "Legion 81" zu einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt. Der Mann ist Kronzeuge in einem Prozess gegen Hells Angels. Seine Strafe fällt höher aus, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Kiel - Lange Haftstrafe für Steffen R.: Der Chef der inzwischen aufgelösten Rockerbande "Legion 81" muss nach einem Urteil des Landgerichts Kiel für vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis. R. habe in der Legion 81 "ein Schreckensregiment geführt", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski am Donnerstag in seinem Schlussvortrag. Steffen R. besitze "hohe kriminelle Energie". Unter der Führung des Angeklagten soll die "Legion 81" Hilfsdienste auch krimineller Art für die Kieler Hells Angels geleistet haben.

Die Verurteilung erfolgte unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und schweren Menschenhandels. Die Haft des Ex-Rockers wird sich voraussichtlich um gut zwei Jahre verlängern, weil er zur Tatzeit noch unter Bewährung einer früheren Strafe stand.

Diese Bewährung kann nach Angaben eines Gerichtssprechers nur das Gericht widerrufen, das diese zuvor verhängt hat. R. stand seit November 2011 vor Gericht. Das Verfahren galt als äußerst brisant, weil R. Hauptbelastungszeuge der Staatsanwaltschaft gegen die Hells Angels ist.

Mit dem Urteil ging das Gericht über die Forderung der Anklage hinaus. Diese hatte für den 40-Jährigen eine Verurteilung unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren gefordert. Oberstaatsanwalt Ostrowski hatte dies damit begründet, dass sich der 40-Jährige vom gewalttätigen Rockermilieu gelöst und mit seinen Aussagen Mitglieder der Hells Angels belastet habe.

Damit habe er sich und seine Familie selber in Lebensgefahr gebracht, sei nun in einem Zeugenschutzprogramm und müsse aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort leben. Auch aufgrund der Angaben des Angeklagten habe die Polizei mit 1200 Beamten den bisher größten Schlag gegen die Rocker im Norden führen können.

Nach Angaben von Steffen R. war die "Legion 81" Hilfstruppe für die Hells Angels im Drogen- und Waffengeschäft, bei Prostitution, Schutzgelderpressungen und Gewaltdelikten. Den Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, beschuldigte der 40-Jährige, den Mord an Tekin B. autorisiert zu haben. Hanebuth bestreitet das. B. wird seit zwei Jahren vermisst. Die Polizei sucht dessen Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel - bislang ohne Erfolg.

ulz/dpa/dapd

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