Urteil gegen Studenten Quandt-Erpresser muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Er forderte Millionen und bedrohte die Industriellenfamilie Quandt mit dem Tod: Ein Gericht hat einen Studenten wegen versuchter Erpressung zu 30 Monaten Haft verurteilt. Der 26-Jährige hatte angekündigt, Scharfschützen auf den schwerreichen Clan anzusetzen.

Student vor Gericht: Lange Haftstrafe für versuchte Erpressung
dapd

Student vor Gericht: Lange Haftstrafe für versuchte Erpressung


Frankfurt am Main - Er beteuerte zwar, nie wirklich mit einer Geldzahlung gerechnet zu haben - genützt hat es ihm nichts. Wegen Erpressung ist ein 26 Jahre alter Student vom Frankfurter Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann räumte am Donnerstag ein, im März von der Johanna-Quandt-Stiftung sechs Millionen Euro gefordert zu haben.

Bekäme er das Geld nicht innerhalb von zwei Tagen, würden Scharfschützen vor dem Anwesen der Familie postiert und Angehörige getötet, so der Täter damals. Auch im Werk des zum Quandt-Imperium gehörenden Automobilherstellers BMW werde es Tote geben, hatte der Student aus Nordrhein-Westfalen gedroht.

Bei seiner Tat stellte sich der junge Mann jedoch wenig geschickt an. Bevor es zu einer Geldübergabe kommen konnte, wurde er festgenommen. Der Täter hatte sein Mobiltelefon, von dem mehrere Erpresseranrufe abgingen, nicht ausgeschaltet und konnte deshalb geortet werden. Beamte fassten ihn in einem Darmstädter Restaurant.

Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er habe niemandem etwas Böses tun, sondern"nur mal etwas ausprobieren wollen". Er habe auch nie damit gerechnet, dass tatsächlich gezahlt werde, sagte er. Später entschuldigte er sich bei der Familie.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungschance für den jungen Mann gehofft. Eine Haftstrafe müsse jedoch sein, befand Amtsrichter Ulrich Biernath: "Es ist ein ganz massives Vorgehen, eine ganze Familie mit dem Tod zu bedrohen und derart viel Geld zu fordern."

Der Angeklagte habe "hohe kriminelle Energie" an den Tag gelegt. Etwa dadurch, dass er sich im Internet umfassend über die Quandts als eine der reichsten Familien in Deutschland informiert habe. Er sei bei seiner Tat zudem "wohlüberlegt und zielgerichtet" vorgegangen.

jok/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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vogelskipper 11.08.2011
1. Sagen Sie Ihre Meinung!
Wer so eine Tat begeht, der kann keine Gnade erwarten und sich später mit einer Scherzerpressung herausreden wollen. Der Junge ist 26 und Student, da sollte man sein Hirn schon vorher einschalten können! Bubenstreiche sind spätestens mit 18 Jahren passé. Die Verurteilung ist völlig richtig und in einem Rechtsstaat auch nicht anders zu erwartent! Trotzdem scheint es ein wenig die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Familie erpresst wurde, die ihren immensen Reichtum im dritten Reich auf Kosten jüdischer Enteignungen und Zwangsarbeit und Dank bester Beziehungen zu Goebbels richtig stark vermehren konnte und dafür bis heute den Zwangsarbeitern gegenüber keine wirkliche Verantwortung übernommen hat! Das klingt zwar verwunderlich, ist aber so und wen das interessiert, der sei auf den Dokumentarfilm über die Quandts verwiesen und auch auf Wiki. Das mußte jetzt einmal gesagt werden, auch wenn dieser Post wahrscheinlich zensiert werden wird.
NeZ 11.08.2011
2. "Recht haben"
Zitat von vogelskipperWer so eine Tat begeht, der kann keine Gnade erwarten und sich später mit einer Scherzerpressung herausreden wollen. Der Junge ist 26 und Student, da sollte man sein Hirn schon vorher einschalten können! Bubenstreiche sind spätestens mit 18 Jahren passé. Die Verurteilung ist völlig richtig und in einem Rechtsstaat auch nicht anders zu erwartent! Trotzdem scheint es ein wenig die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Familie erpresst wurde, die ihren immensen Reichtum im dritten Reich auf Kosten jüdischer Enteignungen und Zwangsarbeit und Dank bester Beziehungen zu Goebbels richtig stark vermehren konnte und dafür bis heute den Zwangsarbeitern gegenüber keine wirkliche Verantwortung übernommen hat! Das klingt zwar verwunderlich, ist aber so und wen das interessiert, der sei auf den Dokumentarfilm über die Quandts verwiesen und auch auf Wiki. Das mußte jetzt einmal gesagt werden, auch wenn dieser Post wahrscheinlich zensiert werden wird.
Sie haben Recht mit Ihrem Beitrag, und die Nicht-Zensur zeigt, dass auf SpOn auch intelligente Menschen arbeiten. Meine Postings werden regelmäßig zensiert - vielleicht fluche ich einfach zuviel?! // Das Urteil halte ich zwar für richtig, aber das Ganze auf Bewährung, verbunden mit 100-200 Sozialstunden, hätte es eigentlich auch getan. Irgendwie. Der Vorsatz war zwar da, aber eigentlich hat er einfach nur gelogen und sonst nichts getan; sich sogar extrem dumm angestellt. Die 6 Millionen und der Hinweis mit den Scharfschützen und den Toten in den BMW-Werken war allerdings deutlich übertrieben und daher, wie gesagt, der Grund für die Haft. Für ihn ist nun die Karriere gelaufen - nicht wegen dem Urteil, sondern wegen seiner eigenen Dummheit. Man merkt, dass ich da etwas, naja, verwirrt bin und mich nicht so recht entscheiden kann. Einerseits halte ich 2 1/2 Jahre Haft in diesem Fall für verdammt viel, andererseits ist das irgendwie auch gerechtfertigt. Naja, ich bin auch kein Richter - die Justiz wird mit diesem Urteil schon Recht [sic!] haben... hoffentlich.
janne2109 12.08.2011
3. zu wenig
Strafe ist viel zu gering um Nachahmer abzuhalten.
guentersha 12.08.2011
4. sich mit den Falschen angelegt
Zitat von NeZSie haben Recht mit Ihrem Beitrag, und die Nicht-Zensur zeigt, dass auf SpOn auch intelligente Menschen arbeiten. Meine Postings werden regelmäßig zensiert - vielleicht fluche ich einfach zuviel?! // Das Urteil halte ich zwar für richtig, aber das Ganze auf Bewährung, verbunden mit 100-200 Sozialstunden, hätte es eigentlich auch getan. Irgendwie. Der Vorsatz war zwar da, aber eigentlich hat er einfach nur gelogen und sonst nichts getan; sich sogar extrem dumm angestellt. Die 6 Millionen und der Hinweis mit den Scharfschützen und den Toten in den BMW-Werken war allerdings deutlich übertrieben und daher, wie gesagt, der Grund für die Haft. Für ihn ist nun die Karriere gelaufen - nicht wegen dem Urteil, sondern wegen seiner eigenen Dummheit. Man merkt, dass ich da etwas, naja, verwirrt bin und mich nicht so recht entscheiden kann. Einerseits halte ich 2 1/2 Jahre Haft in diesem Fall für verdammt viel, andererseits ist das irgendwie auch gerechtfertigt. Naja, ich bin auch kein Richter - die Justiz wird mit diesem Urteil schon Recht [sic!] haben... hoffentlich.
Dass er dafuer verknackt wird, haette er sich schon vorher ausrechnen koennen. Die Quandts zaehlen zu den obersten 5% und mit denen ist nicht zu spassen. Der Staatsanwalt und Richter will ja weiter Karriere machen. Wenn er einen normalen Rentner auf einem U-Bahnsteig halb totgeschlagen haette, waere ihm die Bewaehrung wahrscheinlich gewaehrt worden. Bei Drohungen gegen die obersten "tragenden Stuetzen" unseres Staates genuegt schon der Versuch einer Straftat ( versuchte Erpressung ) um fuer Jahre in den Bau zu gehen ...haette er eigentlich wissen koennen.
Evolvente 12.08.2011
5. Wenn...
...ich mir vorstelle, was hier bei umgekehrter Rollenverteilung losgewesen wäre... Das sagt mehr über die Zusammensetzung des Forums aus, als viele andere Threads mit tausenden Beiträgen! Zur Sache: Von mir aus hätte der Mann ruhig fünf oder sechs Jahre einfahren können. Und nach 2/3 der Strafe dann wieder rausgelassen werden. Das wäre meiner Meinung nach völlig angemessen gewesen.
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