Urteil in Saudi-Arabien Frau wegen "Hexerei" hingerichtet

Sie warb mit ihren Fähigkeiten, Menschen von Krankheiten zu heilen - für 800 Dollar pro Sitzung. Ein saudi-arabisches Gericht verurteilte die Frau wegen "Hexerei und Zauberei". Nun ist sie enthauptet worden.

Riad - In Saudi-Arabien urteilen Richter auf der Grundlage einer puritanisch-konservativen Interpretation des islamischen Rechts. Demnach wird "Hexerei und Zauberei" mit dem Tode bestraft - ebenso wie Mord, Vergewaltigung und Drogenhandel. Das musste nun eine Frau in der nördlichen Provinz Dschauf erfahren.

Am Montag sei Amina bent Abdelhalim Nassar enthauptet worden, zitierte die Nachrichtenagentur SPA eine Erklärung des Innenministeriums. Die Frau war bereits im April 2009 festgenommen und wegen "Hexerei" verurteilt worden. Mit ihrem Tod steigt die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien bereits auf mindestens 73 in diesem Jahr.

Die Frau habe ihre Kunden betrogen, sagte der Leiter der saudi-arabischen Religionspolizei, Abdullah al-Mohsen, laut einem Bericht der in London herausgegebenen arabischsprachige Zeitung "Al-Hayat". Demnach hatte sie vorgegeben, Krankheiten kurieren zu können - für 800 Dollar pro Sitzung.

Erst im vergangenen September war ein Sudanese in der Stadt Medina wegen "Hexerei" hingerichtet worden. Den meisten "Hexen und Hexern" wirft man vor, sie hätten Menschen auf Wunsch von Angehörigen oder Bekannten verflucht oder für Geld Zauberamulette hergestellt. Amnesty International hatte die Regierung in Riad mehrfach aufgerufen, die Hinrichtungen zu stoppen.

Frauen ohne Rechte

Um die Menschenrechte ist es in Saudi-Arabien generell schlecht bestellt, das gilt insbesondere für die Gleichstellung von Mann und Frau. Anfang des Monats hatte eine Äußerung von Kamal Subhi, einem ehemaligen Professor an der King Fahd University in Dhahran, für Furore gesorgt. Er hatte behauptet: "Frauen das Autofahren zu erlauben, würde einen Anstieg von Prostitution, Pornografie, Homosexualität und Scheidungsraten provozieren."

Seit Wochen wird international eine große Debatte über das Frauenfahrverbot in Saudi-Arabien geführt. Im September war die 34-jährige Schajma Dschastania zu zehn Peitschenhieben verurteilt worden, nachdem man sie in Jeddah am Steuer erwischt hatte. Das Urteil hatte großen Protest entfacht - bei Frauenrechtlern im Land sowie bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. König Abdullah hatte die Strafe schließlich aufgrund des öffentlichen Drucks ausgesetzt. In Saudi-Arabien benötigen Frauen die Erlaubnis ihres Ehemannes, wenn sie arbeiten oder verreisen wollen - und sogar vor Operationen.

aar/dpa/AFP/dapd