Urteil in Schwerin Hohe Haftstrafen für Lea-Sophies Eltern

Lea-Sophie starb mit fünf Jahren - ausgemergelt, verwahrlost, abgemagert: Jetzt hat das Schweriner Landgericht die Eltern wegen Mordes durch Unterlassen zu elf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Stefan T. und Nicole G. hatten das Kind verhungern lassen.

Schwerin - Fünf Jahre wurde Lea-Sophie alt und wog am Ende gerade noch 7375 Gramm. Ein gesundes Kind bringt in diesem Alter das Doppelte auf die Waage: Ihre Eltern Stefan T. und Nicole G. tragen für ihren Tod die Verantwortung. Jetzt sprach das Schweriner Landgericht die 24-jährige Mutter und den 26-jährigen Vater des Mordes und der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig. Die Richter verurteilten sie zu elf Jahren und neun Monaten Gefängnis.

Psychiatrische Gutachter hatten während des Prozesses beiden Eltern volle Schuldfähigkeit attestiert. Laut Aussagen eines Sachverständigen hatte die 24-jährige Mutter die Situation ihrer fünf Jahre alten Tochter vor deren Tod "real wahrgenommen" und auch gewusst, dass sie Hilfe hätte holen müssen. Der 26 Jahre alte Vater hatte zuvor ein schwieriges Verhältnis zu seiner Tochter eingeräumt.

Im Vorfeld der Urteilsverkündung sorgte ein ungewöhnliches Vorgehen für Aufregung: Nach seiner deutlichen Kritik am Verhalten von Kommunalpolitikern im Fall der verhungerten Lea-Sophie zog die Staatsanwaltschaft einen ihrer beiden Vertreter von der Teilnahme an der Urteilsverkündung zurück.

"Es geht um den Tod eines Kindes und die Schuld der Eltern und nicht um Äußerungen der Anklagebehörde", begründete Oberstaatsanwalt Gerit Schwarz das ungewöhnliche Vorgehen. "Das ist keine Disziplinarmaßnahme", betonte der Behördenleiter kurz vor Beginn des letzten Verhandlungstages. Das Urteil solle im Mittelpunkt stehen, sagte Schwarz.

Staatsanwalt Wulf Kollorz hatte in seiner Erwiderung auf die Plädoyers der Verteidigung von "zweifelhaften politischen Charakteren" gesprochen, "die sich nicht zu schade waren, mit einer Kinderleiche Kommunalpolitik zu machen".

Der Tod des Kindes hatte in Schwerin eine heftige Debatte um eine Mitschuld des Jugendamtes und die Verantwortung der Verwaltungsspitze ausgelöst. Während ein Abwahlantrag gegen den Sozialdezernenten Hermann Junghans in der Stadtvertretung überraschend scheiterte, wurde Oberbürgermeister Norbert Claussen (beide CDU) im April in einem Bürgerentscheid vorzeitig abgewählt.

Eine Mitschuld des Jugendamtes, das trotz Hinweisen auf die Gefährdung des Kindeswohls nicht eingeschritten war, wurde von der Staatsanwaltschaft verneint. Der Behörde liegen aber 46 Anzeigen gegen Mitarbeiter des städtischen Amtes vor, denen nach Prozessende nachgegangen werden soll.

Die Staatsanwaltschaft hatte Stefan T. und Nicole G. gemeinschaftlichen Mord durch Unterlassen sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen zur Last gelegt und 13 Jahre Haft gefordert. Beide hätten grausam sowie vorsätzlich gehandelt und den Tod des Kindes billigend im Kauf genommen, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer erklärt. Lea-Sophie sei massiv vernachlässigt worden.

Vier Sachverständige, Kinderärzte und Rechtsmediziner, waren von der Großen Strafkammer 2 des Schweriner Landgerichts gehört worden, um sich ein Bild von Lea-Sophies Leiden und dem Ausmaß der Schuld ihrer Eltern zu machen.

Lea-Sophie war am 20. November 2007 in einem Schweriner Krankenhaus gestorben.

jjc/AFP/AP/dpa/ddp

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