Urteil Lebenslang für Karolina-Mörder

Wegen Mordes an der dreijährigen Karolina im bayerischen Weißenhorn hat das Münchner Schwurgericht beide Angeklagte - die Mutter und ihren Ex-Lebensgefährten - zu lebenslanger Haft verurteilt.


München - Beim Hauptangeklagten Mehmet A. stellten die Richter außerdem die besondere Schwere der Schuld fest und schlossen damit eine Freilassung bereits nach 15 Jahren aus. Das Publikum im Gerichtssaal quittierte den Urteilsspruch mit Beifall.

Verurteilter Mehmet A.: Karolina mit glühenden Zigaretten gequält
DDP

Verurteilter Mehmet A.: Karolina mit glühenden Zigaretten gequält

In seiner Urteilsbegründung nannte der Vorsitzende Richter Walter Weitmann den Mord eine Tat von beispielloser Grausamkeit. In der Geschichte des Münchner Schwurgerichtes habe es keinen Fall gegeben, "der von derartiger Grausamkeit geprägt war wie dieser Fall", sagte Weitmann. Jeder einzelne Schlag des Angeklagten sei lebensgefährlich für das Kind gewesen. "Die Anzahl der schweren Verletzungen ließen sich nicht mehr zählen", so der Richter. Ein Gutachter habe erklärt, der geschundene Körper des Kindes habe weniger unversehrte Stellen als verletzte gehabt.

Die beiden Angeklagten würdigten sich während der Urteilsverkündung keines Blickes und nahmen den Schuldspruch mit gesenkten Köpfen entgegen. Außer wegen Mordes befand das Gericht die beiden auch der Misshandlung von Schutzbefohlenen für schuldig.

Die 27-jährige Zaneta C. hatte zugesehen, wie ihr damaliger Lebensgefährte, der türkischstämmige A., das kleine Mädchen im Januar 2004 tagelang quälte, indem er Zigaretten auf seinem Körper ausdrückte, es mit einem Ledergürtel und einem Holzstab malträtierte und seinen Kopf immer wieder gegen die Wand schlug. Anschließend legte das Paar das im Sterben liegende Kind nackt und kahl rasiert auf einer Toilette im Krankenhaus Weißenhorn ab. Doch die Ärzte konnten damals das Leben des Mädchens nicht mehr retten. Auf der Flucht in die Türkei wurde das Paar in Süditalien gefasst. Der 32-Jährige, der als Gewalttäter mehrfach vorbestraft war, gestand die Quälereien und Schläge, bestritt aber stets den Tötungsvorsatz.

In einem ersten Prozess verurteilte das Landgericht Memmingen den drogensüchtigen A. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren und drei Monaten, die Mutter zu fünfeinhalb Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf, weil die Richter keinen Tötungsvorsatz gesehen hatten. Anschließend wurde der Prozess vor dem Landgericht München neu aufgerollt.

Mit dem Urteil folgten die Richter im Fall von A. den Forderungen der Staatsanwaltschaft, für Zaneta C. hatte diese jedoch nur acht Jahre Haft wegen Mordes durch Unterlassen beantragt. Die Verteidiger hatten dagegen erneut auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und für A. höchstens 15 Jahre, für C. fünfeinhalb Jahre Haft gefordert.

aki/AP/dpa/ddp



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