Urteil Lebenslang für Moshammer-Mörder

Herisch A. ist wegen Mordes an Rudolph Moshammer zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hat der Iraker den Münchner Modemacher im Januar nach gemeinsamen Sex-Spielen heimtückisch erdrosselt.


München - Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Es sah zudem eine besondere Schwere der Schuld, womit eine vorzeitige Haftentlassung des Verurteilten bereits nach 15 Jahren unmöglich ist. Der voll schuldfähige Angeklagte habe "heimtückisch, aus Habgier und zur Ermöglichung eines Raubes getötet", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl in der Urteilsbegründung. "Er wickelte das Kabel blitzschnell von hinten mehrmals um den Hals seines Opfers und riss Moshammer zu Boden." Herisch A. habe so lange zugezogen, bis das Kabel zerriss. Er habe dem "absolut wehrlosen Opfer" einen Todeskampf von "mindestens fünf Minuten" bereitet. Danach habe der Täter den leblosen Moshammer nach Bargeld durchsucht.

Verurteilter Herisch A.: Kein umfassendes Geständnis
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Verurteilter Herisch A.: Kein umfassendes Geständnis

Die Staatsanwaltschaft hatte für die besondere Schwere der Schuld angeführt, dass der inzwischen 26-Jährige keine Reue gezeigt und kein umfassendes Geständnis abgelegt habe. Die Anwälte gingen hingegen nur von Totschlag aus und verlangten eine Haftstrafe im "unteren zweistelligen Bereich". Sie führten an, zugunsten des Angeklagten müsse berücksichtigt werden, dass er bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei und sehr wohl ein Geständnis abgelegt habe. Herisch A. entschuldigte sich nach den Plädoyers für die Tat und betonte, es tue ihm "wirklich Leid, dass das passiert ist".

Der Verurteilte hatte zugegeben, Moshammer im Streit um Sex-Dienste mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben. Der Modemacher hatte den jungen Mann am Abend des 13. Januar am Münchner Hauptbahnhof angesprochen und mit in sein Haus in Grünwald genommen. Der Iraker wurde nicht einmal 48 Stunden nach der Tat festgenommen. Die Beamten waren ihm durch einen genetischen Fingerabdruck auf die Spur gekommen. In dem Prozess waren fast 50 Zeugen gehört worden, unter ihnen mehrere Gutachter.

Der Urteilsspruch wurde, wie bereits der gesamte Mordprozess, von einem Großaufgebot an Journalisten verfolgt. Herisch A. reagierte schockiert auf das Urteil und verfolgte die Verkündung weinend. Dutzende Fotografen und Kamerateams waren vor Ort im Münchner Justizzentrum. Der Zuschauerraum des Gerichtssaals war mit rund 200 Gästen bis auf den letzten Platz gefüllt.



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