Urteil Lebenslang für Neffen der ermordeten Parkhaus-Millionärin

Urteil mit lautem Protest: Der Neffe einer bekannten Münchner Millionärin wurde wegen Mordes an seiner Tante zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah auch eine besondere Schwere der Schuld. Bei der Urteilsverkündung kam es zu tumultartigen Szenen.


München - Das Urteil fiel am 93. Verhandlungstag: Das Schwurgericht München sprach den Angeklagten Benedikt T. schuldig, die Parkhaus-Millionärin Charlotte B. mit mindestens 24 Schlägen auf den Kopf getötet zu haben, um der Enterbung zu entgehen. Zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest und erklärte den Erbanspruch des Verurteilten für verfallen.

Benedikt T.: Zu lebenslanger Haft verurteilt
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Benedikt T.: Zu lebenslanger Haft verurteilt

Benedikt T. hatte vor dem Urteilspruch noch einmal betont, er sei unschuldig. Er war laut Gericht als Nachfolger und Erbe seiner Tante vorgesehen, die ein Parkhaus in der Münchner Innenstadt besaß. Er habe sie und sein gesamtes Umfeld aber über den Fortgang seines Studiums belogen und gefürchtet, damit aufzufliegen und enterbt zu werden. Deswegen habe er Charlotte B. in ihrer Wohnung in der Baaderstraße ermordet, so die Kammer.

Die Anklage stützte sich auf Indizien wie Blutspuren des Angeklagten und des Opfers auf einem 500-Euro-Schein. Die Verteidigung hatte versucht, diese zu erschüttern und Freispruch gefordert. Die Indizien überzeugten das Gericht davon, dass der Neffe den Mord begangen hat. Entscheidend sei die Vielzahl und Geschlossenheit der Hinweise gewesen, erklärte es.

Bei der Urteilsverkündung kam es zu tumultartigen Szenen. "Das ist falsch, jeder Satz ist falsch", rief der Angeklagte dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl zu, als dieser sein Urteil begründete.

Wachmänner hinderten den 33-Jährigen, der seit seiner Festnahme drei Tage nach der Tat ununterbrochen in Untersuchungshaft sitzt, den Saal zu verlassen. Auch aus dem Publikum kamen Protestrufe. "Sie, Herr Götzl, machen sich mitschuldig, dass der Mörder frei herumläuft", rief der jüngere Bruder des Angeklagten. Rund drei Dutzend Zuschauer verließen den voll besetzten Schwurgerichtssaal, auch einer der Anwälte stand auf und verließ den Raum.

Der Angeklagte hatte in dem 15-monatigen Indizienprozess die Tat stets bestritten und auch in seinem Schlusswort noch einmal beteuert: "Ich habe meine Tante nicht ermordet."

Seine beiden Anwälte Peter Witting und Stefan Mittelbach hatten an mehr als 90 Verhandlungstagen rund 200 Beweisanträge gestellt. Aufgrund ihrer Anträge wurde die Beweisaufnahme gegen Ende des Prozesses zweimal wieder eröffnet, so dass Anklage und Anwälte insgesamt dreimal plädierten, bevor es zum Urteil kam. Beide Seiten rückten dabei jedoch nicht von ihrer Sicht des Falles ab. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden.

Gestritten wurde vor Gericht unter anderem auch darüber, wie viele Schläge mit der rechten und wie viele mit der linken Hand geführt wurden und ob der Täter wegen Ermüdung den Arm gewechselt haben könnte - der Neffe ist Linkshänder.

jjc/AP/dpa



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