Urteil nach 30 Jahren Lebenslange Haft wegen Entführung von Ursula Herrmann

Die Tat löste Entsetzen aus: Die zehnjährige Ursula Herrmann ist vor fast 30 Jahren entführt worden und erstickte in einer Kiste. Jetzt hat das Landgericht Augsburg Werner M. deswegen verurteilt. Der 59-Jährige muss lebenslang ins Gefängnis. Seine Frau wurde freigesprochen.

DPA/ LKA Bayern

Augsburg - Sie wurde in eine Holzkiste im Wald gesperrt und erstickte nach wenigen Stunden: Der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann sorgte 1981 bundesweit für Entsetzen. Nun, fast 30 Jahre später, verurteilte das Landgericht Augsburg den 59-jährigen Werner M. wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu lebenslanger Haft. Seine wegen Beihilfe angeklagte Ehefrau wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Beide hatten die Tat bis zuletzt bestritten.

Werner M. habe das Mädchen in seine Gewalt gebracht, um Lösegeld zu fordern, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rothermel in seiner Urteilsbegründung. "An den Fakten ist nicht zu zweifeln", betonte er. Die Verteidigung sieht das anders und will Revision einlegen. Der Angeklagte sei "empört" und empfinde das Urteil als "Niederlage des Rechtsstaates", sagte sein Verteidiger. "Für ihn fängt der Kampf jetzt wieder an."

In dem lange zurückliegenden Fall musste das Gericht aufgrund von Indizien urteilen. Echte Beweise für die Schuld des 59-Jährigen gibt es nicht. Nach Ansicht des Gerichts entführte M. im September 1981 die Zehnjährige bei Utting am Ammersee und sperrte sie in eine im Wald vergrabene Kiste. Nach wenigen Stunden war Ursula erstickt. Trotzdem forderte der Täter in den folgenden Tagen mit Erpresseranrufen und -briefen zwei Millionen Mark Lösegeld von den Eltern. Erst 19 Tage nach der Entführung fanden Suchtrupps der Polizei die Leiche des Mädchens.

Schon unmittelbar nach der Tat geriet Werner M. ins Visier der Ermittler. Ein anonymer Hinweisgeber hatte ihn beschuldigt, doch eine Hausdurchsuchung blieb damals ergebnislos. Zudem konnten die Ermittler sein Alibi trotz aller Zweifel nicht entkräften. Doch laut Staatsanwaltschaft war "der Tatverdacht gegen ihn nie ausgeräumt".

Ein Tonbandgerät wird zum zentralen Indiz

2007 bekamen die Ermittlungen eine neue Wendung. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen wurde ein Tonbandgerät gefunden. Es wurde zum zentralen Indiz im darauffolgenden Prozess. Einem Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamts zufolge wurden damit wahrscheinlich die in den Erpresseranrufen hörbaren Tonsignale aufgezeichnet und abgespielt. M. beharrte bis zuletzt darauf, das Gerät erst kurz vor der Hausdurchsuchung auf einem Flohmarkt gekauft zu haben.

Die Anklage bescheinigte ihm beispiellose Kaltblütigkeit und Erbarmungslosigkeit. Er habe aus Geldgier die Entführung des Mädchens gezielt vorbereitet und mit kompromissloser Gewaltbereitschaft konsequent ausgeführt.

Dem Richter zufolge liege es zwar nahe, dass die Ehefrau von der Entführung gewusst und ihren Mann vielleicht auch unterstützt habe. Doch auch die Anklage hatte nach der Beweisaufnahme keine hinreichenden Schuldbelege dafür gesehen und letztlich auf Freispruch plädiert. Das Gericht folgte in seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte für beide Angeklagten Freispruch gefordert.

hut/dpa/ddp/AFP

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