Urteil in Brandenburg Fliegende Spaghettimonster sind keine Kirche

Ein Gericht hat entschieden: Der Verein der Spaghettimonster ist keine Religionsgemeinschaft - und hat daher nicht die Rechte einer Kirche. Die Pastafari sind empört, wollen aber nicht aufgeben.

DPA

Das Oberlandesgericht Brandenburg hat eine Klage der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V." gegen ein Plakatierungsverbot abgewiesen.

Vorausgegangen war ein Streit über Hinweisschilder für wöchentliche "Nudelmessen", die der satirische Verein an den Ortseingängen der Stadt Templin platziert hatte. Das Land Brandenburg hatte dies unter Berufung auf die fehlenden Rechte einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft verboten.

Das Oberlandesgericht urteilte nun: Die "Fliegenden Spaghettimonster" bilden keine Religionsgemeinschaft und haben daher auch nicht dieselben Rechte wie etwa die christlichen Kirchen in Deutschland, die ihre Gottesdienste häufig an Ortseingängen auf Schildern bewerben. Daher dürfe das Land Brandenburg den sogenannten Pastafaris auch eine entsprechende Plakatierung untersagen.

Hintergrund
    Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters (FSM) wurde 2005 vom US-Physiker Bobby Henderson gegründet, er wollte damit vor allem den zunehmenden Einfluss des Kreationismus auf den Schulunterricht kritisieren. Inzwischen hat die satirische Religionsgemeinschaft weltweit Anhänger, sogenannte Pastafari. Als Gottheit wird das Spaghettimonster verehrt, Piraten gelten als die ursprünglichen Pastafari. Mehr Informationen gibt es hier.

Zur Begründung führten die Richter an, den Mitgliedern des Vereins fehle es an einer "gemeinsamen Weltanschauung". Der Satzung fehle es zudem an dem für Religionsgemeinschaften charakteristischen Gottesbezug. Stattdessen imitiere der Verein als Mittel der Satire Texte und Symbole der christlichen Religion, wie zum Beispiel im "Monsterunser".

Monster unser, das DU bist im Himmel, geheiligt werden DEINE Anhängsel, DEINE Piraten kommen, DEINE Soße geschehe, wie im Himmel so auch auf hoher See. Unser täglich Pasta gib uns heute, und vergib uns unsere Reiskugeln, wie auch wir vergeben den Kartoffelessern. Und führe uns nicht nach Kansas, sondern erlöse uns von den Fundamentalisten, denn dein ist die Soße und der Käse und die Fleischklößchen in Ewigkeit. RAmen.

The Brick Testament

Die Spaghettimonster bezeichneten die Entscheidung des Oberlandesgerichts unter Berufung auf ihre Vereinssatzung als "sehr merkwürdig". "Der evolutionäre Humanismus gilt weltweit als Weltanschauung", so ihre Haltung. Auf der Webseite des Vereins hieß es, man werde zunächst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Dann allerdings werde der Verein vor den Bundesgerichtshof und gegebenenfalls bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen, kündigte der Vorsitzende Rüdiger Weida an. "Zur Not gehen wir auch bis zum Europäischen Gerichtshof."

In Deutschland kämpft die Spaghettimonster-Kirche seit Langem um die Anerkennung als Religionsgemeinschaft, bislang allerdings erfolglos. So untersagte das Verwaltungsgericht Potsdam dem deutschen Nudelchef Weida, auf dem Foto seines Personalausweises eine Piratenkopfbedeckung zu tragen.

ala/dpa

insgesamt 60 Beiträge
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schneidp 02.08.2017
1. Fehlurteil
Kein Gericht der Welt hat das Recht und die Fähigkeit zu entscheiden was eine Religion ist und was nicht. Der christliche Gott ist ebenso erfunden, wie das Spaghettimonster. Der einzige Unterschied ist, dass der christliche Gott schon vor 4000 Jahren erfunden wurden.
Stäffelesrutscher 02.08.2017
2.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, dass ein deutsches Gericht mal im Falle der sich auf Jungfrauengeburt und Transsubstantiation gründenden Vereine den Funktionären entgegenhält: »Was Sie machen, ist doch Verar***e, Sie wissen doch genau, dass nix davon stimmt und imitieren nur die ollen Griechen und Römer.«
team_frusciante 02.08.2017
3.
"Der Verein der "Spaghettimonster" ist keine Religionsgemeinschaft - und hat daher auch nicht dieselben Rechte wie eine Kirche." Das bestreiten die Pastafaris insgeheim auch nicht. Der Punkt ist vielmehr: Warum haben Religionsgemeinschaften all diese Rechte?
marty_gi 02.08.2017
4. strikte Trennung
Das Gericht haette mal lieber auf striktere Trennung von Kirche und Staat draengen sollen - und den anderen, bevorzugten, weil "traditionellen" Kirchen die Staatsunterstuetzung aberkennen muessen. Denn sie widerspricht dem Grundgesetz. Aber auch in der Richterschaft scheinbar nur Angsthasen.
touri 02.08.2017
5.
Zitat von schneidpKein Gericht der Welt hat das Recht und die Fähigkeit zu entscheiden was eine Religion ist und was nicht. Der christliche Gott ist ebenso erfunden, wie das Spaghettimonster. Der einzige Unterschied ist, dass der christliche Gott schon vor 4000 Jahren erfunden wurden.
Der christliche Gott hat eine deutlich größere Lobby!
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