Urteil ein Jahr nach Prozessbeginn Lebenslange Haft und Psychiatrie für Trierer Amokfahrer

Er fuhr mit seinem Auto durch die Fußgängerzone und tötete sechs Menschen: Das Landgericht Trier hat gegen den 52-jährigen Amokfahrer die Höchststrafe verhängt.
Trier im Dezember 2020: Vor der Porta Nigra haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Kerzen aufgestellt

Trier im Dezember 2020: Vor der Porta Nigra haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Kerzen aufgestellt

Foto: BeckerBredel Fotografen / imago images/Becker&Bredel

Fast ein Jahr nach Prozessbeginn um die Amokfahrt von Trier hat das Landgericht den 52-jährigen Täter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ordneten die Unterbringung des Mannes in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der nun Verurteilte am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen durch die Fußgängerzone raste, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Sechs Tote, zahlreiche Verletzte, 300 traumatisierte Augenzeugen

Bei der Tat selbst starben fünf Menschen: ein neun Wochen altes Baby, dessen 45-jähriger Vater und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren, ein 77-Jähriger erlag zudem elf Monate später seinen schweren Verletzungen. Daneben gab es zahlreiche Verletzte und rund 300 traumatisierte Augenzeugen. Seit dem 19. August 2021 stand der Mann vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen sowie schwere Körperverletzung vorgeworfen. Sie beantragte die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und forderte, der 52-Jährige solle in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.

Ein Justizbediensteter begleitet den 52-jährigen Mann zum Prozess im rheinland-pfälzischen Trier

Ein Justizbediensteter begleitet den 52-jährigen Mann zum Prozess im rheinland-pfälzischen Trier

Foto: Harald Tittel / dpa

Das genaue Motiv der Tat blieb unklar – der Verurteilte äußerte sich im Verlauf des Prozesses nicht zu den Vorwürfen. Zumindest mittelbar stand die Tat laut der Staatsanwaltschaft jedoch im Kontext einer psychischen Erkrankung des Täters. Zuletzt hatten die Pflichtverteidiger am vergangenen Donnerstag die Unterbringung des 52-Jährigen in einer geschlossenen Psychiatrie gefordert. Die Voraussetzungen für die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld seien nicht erfüllt, erklärte seine Anwältin. Einem Wahnkranken, wie es der Mann sei, stünden keine Handlungsalternativen zur Verfügung. Aus diesem Grund sei bei ihm von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit auszugehen.

Opfer »eines großangelegten Komplotts des Staates«

Nach dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der 52-Jährige tatsächlich an einer paranoiden Schizophrenie mit bizarren Wahnvorstellungen. Er ist demnach vermindert schuldfähig und gilt als gemeingefährlich. Der Mann sehe sich als Opfer »eines großangelegten Komplotts des Staates« gegen ihn und fühle sich verfolgt, abgehört und beobachtet, hatte der Experte berichtet. An den Tatzeitraum will der Amokfahrer keine Erinnerung haben.

Täter dürfte »wohl eher nicht mehr aus dem Vollzug kommen«

Wenn das Urteil rechtskräftig wird, wird laut Staatsanwaltschaft zunächst die Maßregel der Unterbringung in der Psychiatrie vollstreckt. Sie gilt unbefristet. Sollte ein Sachverständiger irgendwann nach fünf oder 25 Jahren zum Ergebnis kommen, dass der Mann geheilt sei, schließe sich dann der normale Strafvollzug an.

Der Amokfahrer dürfte somit »wohl eher nicht mehr aus dem Vollzug kommen«, teilte Oberstaatsanwalt Eric Samel mit. Bei einer lebenslangen Strafe werde nach 15 Jahren erstmals durch die Strafvollstreckungskammer geprüft, ob überhaupt eine Außervollzugsetzung der Freiheitsstrafe vertretbar sei. In den meisten Fällen sei dies jedoch nicht der Fall.

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr im Dezember 2020 in der Trierer Fußgängerzone

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr im Dezember 2020 in der Trierer Fußgängerzone

Foto: Harald Tittel / dpa

Prozess sei »ein Meilenstein für die Verarbeitung«

Die Hinterbliebenen und Betroffenen seien erleichtert, dass der Prozess nach einem Jahr Dauer zu Ende gehe, sagte Bernd Steinmetz für die Stiftung Katastrophen-Nachsorge der Deutschen Presse-Agentur. »Es war schon eine Belastung jetzt über die lange Zeit.« Der Prozess sei »ein Meilenstein für die Verarbeitung« gewesen.

Der Täter verzichtete am letzten Prozesstag darauf, sein Recht auf das letzte Wort vor der Urteilsfindung wahrzunehmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es im Vorspann, das Amtsgericht habe den 52-Jährigen verurteilt. Es handelt sich jedoch um das Landgericht Trier.

swe/dpa/afp
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