Uruguay Mutmaßlicher deutscher Sektenführer tot aufgefunden

In Uruguay ist ein Mann tot an einem Strand gefunden worden. Der 61-jährige Deutsche stand in Verdacht, der Kopf einer Sekte gewesen zu sein und sich ein junges Mädchen als "Sexsklavin" gehalten zu haben.


Ein mutmaßlicher deutscher Sektenführer und Sexualstraftäter ist in Uruguay ermordet worden. Die Leiche des 61-Jährigen wurde am Sonntag gefesselt am Strand der südosturuguayischen Ortschaft La Floresta entdeckt und erst am Dienstag identifiziert, wie die Zeitung "El País" berichtete.

Der Tote sei mit einer Plastiktüte über dem Kopf, angelegten Handschellen und gefesselten Füßen aufgefunden worden, erklärte der zuständige Richter.

Die Justiz in Nordrhein-Westfalen hatte 2015 die Auslieferung des ehemaligen Anführers der Sekte "Licht-Oase" und seiner Frau nach Deutschland beantragt, nachdem das Paar von Zielfahndern des Bundeskriminalamts und der örtlichen Polizei in Uruguay festgenommen wurde.

13-Jährige diente als "Sexsklavin"

Der Mann soll nach Angaben der Detmolder Staatsanwaltschaft zwischen Frühjahr und November 1994 die damals 13 Jahre alte Schweizerin Lea Saskia Laasner mehrfach vergewaltigt und sexuell misshandelt haben. Laut Detmolder Staatsanwaltschaft war das Mädchen "eine Art Sexsklavin für den Mann".

Die Sekte war seit Anfang der Neunzigerjahre in Belize ansässig, einem kleinen Land an der Südgrenze Mexikos. Die junge Schweizerin konnte 2001 aus dem Sektengelände flüchten und erstattete Anzeige wegen Sexualverbrechen. Wenige Jahre später beschrieb sie ihr Leiden in einem Buch, das zu einem Bestseller wurde.

Nach der Anklageerhebung in Deutschland tauchte das deutsche Paar unter und flüchtete nach Uruguay - dort sollen die beiden die Sekte wieder aufgebaut haben.

Seiner ebenfalls deutschen Frau wurde Beihilfe vorgeworfen. Die uruguayische Justiz verweigerte jedoch die Auslieferung - die Verbrechen seien verjährt.

Über den Tod des Mannes habe seine Behörde bislang keine offizielle Mitteilung erhalten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Strafermittler wollen den Fall überprüfen und sich die Sterbeurkunde des Mannes zuschicken lassen.

"Liegt sie vor, stellen wir das Verfahren ein", sagte der Sprecher. Der Haftbefehl gegen die Frau bleibe allerdings bestehen.

jal/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.