US-Bundesstaat Maryland Aktivisten bejubeln Abschaffung der Todesstrafe

375 Jahre lang waren Hinrichtungen Teil des Strafenkatalogs in Maryland. Damit ist es nun vorbei. Das Parlament des US-Bundesstaates hat die Todesstrafe mit deutlicher Mehrheit abgeschafft.

Jubel im Parlament von Maryland: Gegner der Todesstrafe sind am Ziel
AP/DPA

Jubel im Parlament von Maryland: Gegner der Todesstrafe sind am Ziel


Annapolis - Als 18. Bundesstaat der USA hat Maryland die Abschaffung der Todesstrafe beschlossen. Das Abgeordnetenhaus des Ostküstenstaates bestätigte das vorangegangene Votum des Senats. Für die Abschaffung votierten 88 Abgeordnete, dagegen 56.

Nun muss der demokratische Gouverneur Martin O'Malley das Gesetz nur noch unterzeichnen. Dies gilt als reine Formsache, da O'Malley den Gesetzentwurf selbst vorgelegt hatte. "Wir haben die moralische Verpflichtung, Dinge zu stoppen, die überflüssig, teuer und nutzlos sind und mit denen man keine Menschenleben rettet", sagte er.

Gegner der Entscheidung hatten argumentiert, die Todesstrafe sei nötig, um schwerste Verbrechen angemessen zu bestrafen. "Die Todesstrafe ist keine Abschreckung. Sie ist Gerechtigkeit", sagte ein Abgeordneter. Das bestritten Befürworter der Abschaffung. Das System der Todesstrafe sei anfällig für irreparable Fehler, zudem benachteilige es bestimmte Bevölkerungsgruppen. Viele Einwohner Marylands sind katholisch. Die Kirche befürwortet die Abschaffung der Todesstrafe ebenfalls.

In Maryland war die Todesstrafe bereits seit Dezember 2006 ausgesetzt worden. Damals hatte der höchste Gerichtshof des Staates entschieden, die Vorgaben für die Verabreichung tödlicher Spritzen seien nicht rechtmäßig von einem Ausschuss genehmigt worden.

Maryland hatte die Todesstrafe 1638 eingeführt, als es noch britische Kolonie war. Seit 1976 waren fünf Hinrichtungen vollstreckt worden, seit 2005 keine mehr. Fünf zum Tode verurteilte Häftlinge sitzen derzeit noch im Gefängnis. Da das Gesetz nicht rückwirkend gilt, ist ihr Schicksal offen. Allerdings wird allgemein davon ausgegangen, dass O'Malley ihre Strafe in lebenslänglich umwandelt.

Im vergangenen Jahr hatte Connecticut als 17. der insgesamt 50 US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft. Zuvor waren laut dem Death Penalty Information Center bereits Illinois (2011), New Mexico (2009) sowie New Jersey und New York (2007) bereits diesen Schritt gegangen.

ulz/dpa/AP/AFP



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