US-Freikirche Razzia nach Sex-Vorwürfen

Nach mehreren Hinweisen auf sexuellen Missbrauch von Kindern hat die Polizei im US-Staat Arkansas das Anwesen einer evangelistischen Religionsgemeinschaft durchsucht.


Fouke - Eine Stunde vor Sonnenaufgang klopften die Beamten am Samstag an die Tür der Gemeinde in der Ortschaft Fouke. Begleitet wurden sie von Sozialarbeitern, die die dort lebenden Kinder befragten. Begleitet wurden sie von Sozialarbeitern, die die dort lebenden Kinder befragten. Sechs Kinder wurden später der Obhut der Behörden unterstellt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Einer von rund 100 Polizisten vor der Freikirche: Razzia bei Pfarrer Tony Alamo
AP

Einer von rund 100 Polizisten vor der Freikirche: Razzia bei Pfarrer Tony Alamo

Festgenommen wurde zunächst niemand, doch deutete ein Vertreter der Staatsanwaltschaft einen baldigen Haftbefehl gegen den Prediger Tony Alamo an. In dessen "Tony Alamo Christian Ministry" lebt eine Gruppe Evangelisten zusammen, darunter mehrere Kinder. Nach Polizeiangaben ging es darum herauszufinden, ob Kinder in verbrecherischer Absicht aus anderen US-Staaten nach Fouke gebracht worden waren. Die Polizisten und Sozialarbeiter verliessen das Gelände erst nach Mitternacht in der Nacht zum Sonntag, wie der örtliche Bürgermeister Terry Purvis mitteilte.

Der ehemalige Straßenprediger Alamo wies Vorwürfe entschieden zurück, in seiner Gemeinde seien Kindesmissbrauch und Kinderpornografie an der Tagesordnung. "Woher kommen solche Unterstellungen? Von der antichristlichen Regierung und von Katholiken, die mich nicht mögen, weil die Hälfte ihrer Gemeindemitglieder zu mir übergelaufen ist. Sie hassen wahres Christentum", sagte der 73-Jährige, der einen Feldzug gegen Katholiken, Homosexuelle und die Regierung führt.

Seine Gemeinde wurde schon öfters mit der Förderung von Polygamie und der Verheiratung von Minderjährigen in Zusammenhang gebracht. Er selbst sagt dazu, dass Polygamie bei weitem nicht so verwerflich sei wie gleichgeschlechtliche Beziehungen. 1988, als Alamo noch in Kalifornien wirkte, gab es gegen ihn schon einmal ein Verfahren wegen mutmaßlicher Kindesmisshandlung. Dieses wurde jedoch wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Verurteilt wurde Alamo 1994 wegen Steuerhinterziehung und verbüßte eine vierjährige Haftstrafe.

cjp/AP



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