US-Offiziere Sex ist häufigster Entlassungsgrund

Belästigung, Ehebruch, Affären: Bei der vorzeitigen Entlassung von US-Kommandeuren sind oft moralische Verfehlungen der Auslöser. Seit 2005 mussten 78 hohe Offiziere deshalb ihren Dienst quittieren.
David Petraeus, Biografin Paula Broadwell: Affäre beendet Traumkarriere

David Petraeus, Biografin Paula Broadwell: Affäre beendet Traumkarriere

Foto: AFP/ ISAF

Washington - In den vergangenen Monaten häuften sich die Sex-Affären bei hochrangigen US-Militärs. General Jeffrey Sinclair verlor im Mai sein Kommando in Afghanistan. Ihm wird vorgeworfen, untergebene Frauen zu sexuellen Beziehungen genötigt zu haben. Im Herbst stolperte der frühere Vier-Sterne-General David Petraeus über eine außereheliche Beziehung zu seiner Biografin. Verstrickt in die Affäre war auch General John Allen.

Laut einer Statistik der Nachrichtenagentur AP waren dies keine Einzelfälle. Bei mindestens 30 Prozent aller in den letzten acht Jahren entlassenen US-Kommandeure ging es um sexuelle Belästigung, Ehebruch, Pornografie oder sogenannten unangemessene Beziehungen. Rechnet man noch Alkoholprobleme hinzu, dann erfolgten vier von zehn Entlassungen wegen unakzeptablen Verhaltens.

Laut der AP-Statistik wurden in den vergangenen Jahren 18 Generäle und Admirale im Zusammenhang mit Sex-Geschichten gefeuert. Hinzu kommen zwei Entlassungen wegen Alkoholproblemen. Seit 2005 mussten insgesamt 255 Kommandeure ihren Dienst bei den US-Streitkräften vorzeitig quittieren. In 78 Fällen ging es dabei um Affären oder sexuelle Belästigung.

In Washington hofft man, die Probleme mit der Moral der Offiziere bald in den Griff zu bekommen. "Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Michele Flournoy, einstige hohe Beamtin im Pentagon. Die letzten beiden Verteidigungsminister hätten sich intensiv um das Problem gekümmert, doch es sei noch viel zu tun.

Pentagonchef Leon Panetta hatte nach der Petraeus-Affäre eine Überprüfung der ethischen Standards für die Führungsriege der US-Streitkräfte angeordnet. Er fürchte um das "Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere Führung", schrieb er in einem Memo an US-Generalstabschef Martin Dempsey. Auch die CIA und das FBI leiteten interne Ermittlung ein. Zumindest der Fall Petraeus scheint mittlerweile abgeschlossen zu sein. Im November erklärte Panetta, dass keine weiteren Top-Militärs in die Affäre um den einstigen Vier-Sterne-General verwickelt seien.

hda/AP