US-Polygamisten Neue Missbrauchsanklage gegen Sektenchef

Ein Mann, Dutzende Frauen, oft auch minderjährig: Die Anhänger einer US-Polygamisten-Sekte folgen ihren eigenen Regeln - doch die verstoßen gegen Gesetze. Sektenchef Jeffs, der schon wegen Beihilfe zur Vergewaltigung in Haft sitzt, ist nun wegen weiterer Missbrauchsvorwürfe angeklagt.


Phoenix - Warren Jeffs, Anführer der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wurde im US-Bundesstaat Arizona wegen acht neuen Missbrauchsfällen angeklagt. Er sitzt bereits in einer Haftzelle im Nachbarstaat Utah, weil er Beihilfe zur Vergewaltigung geleistet haben soll. Dieser Vorwurf hängt damit zusammen, dass er ein 14 Jahre altes Mädchen an deren älteren Cousin verheiratet haben soll.

Die neuen Vorwürfe basieren ebenfalls auf der Praxis der Sekte, minderjährige Mädchen mit erwachsenen Männern zu verheiraten. In einem Fall soll er eine 17-Jährige mit einem Verwandten verkuppelt haben, der Anfang 50 ist. Die Anklagepunkte lauten auf Beihilfe zum Missbrauch Minderjähriger und Beihilfe zum Inzest. Im Falle einer Verurteilung droht Jeffs eine langjährige Haftstrafe.

Jeffs wurde im August 2006 bei einer Verkehrskontrolle festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Sowohl in Arizona als auch in Utah hatten Haftbefehle gegen ihn vorgelegen, in denen ihm Beihilfe zur Vergewaltigung und Verführung Minderjähriger vorgeworfen wurde. Sektenaussteiger beschuldigen ihn, Hunderte junge Mädchen mit älteren Männern verheiratet zu haben.

Zwischen den Sphären des Himmels und dem Weltuntergang

Mindestens 10.000 Anhänger hat Jeffs' Glaubensgemeinschaft. Sie hatte sich vor rund 100 Jahren von der mormonischen Mutterkirche abgespalten, als diese die Polygamie ächtete. Mitglieder der Sekte leben seitdem weiterhin in der Vielehe. Um in die höchsten Sphären des Himmels zu gelangen, muss ein Mann ihrer Meinung nach mindestens drei Ehefrauen aufweisen.

Warren Jeffs hatte im Jahre 2002 die Führung der Gemeinde von Vater Rulon übernommen, der 70 Frauen gehabt haben soll. Warren Jeffs selbst ist US-Zeitungen zufolge mit mindestens 40 Frauen vermählt und hat 60 Kinder. Jungs und junge Männer soll er ehemaligen Sektenmitgliedern zufolge aus der Gemeinde verbannt haben, damit Kirchen-Älteste mehr Auswahl unter den Frauen haben. Mindestens fünf dieser sogenannten "Lost Boys" haben bereits versucht, ihn gerichtlich zu belangen.

Jeffs ist zudem durch Weltuntergangspredigten aufgefallen. So erklärte er, die Anschläge vom 11. September 2001 seien ein Zeichen der Hoffnung, dass nun endlich bald das Ende gekommen sei. Wie die "New York Times" berichtete, hatte er zudem verkündet, er selbst sei von Menschenhand unbesiegbar und Gott behüte ihn vor der Verhaftung.

ffr/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.