US-Urteil Vater von Qaida-Mitglied soll Millionen zahlen

Der Vater eines Qaida-Terroristen soll mehr als 100 Millionen Dollar an die Witwe eines bei einem Anschlag getöteten GIs zahlen, urteilte ein US-Gericht. Der Attentäter ist in Guantanamo inhaftiert und soll auf Drängen seines Vaters dem Terrornetzwerk beigetreten sein.


Washington - Insgesamt soll der Vater des kanadischen Guantanamo-Häftlings Omar Khadr 102,6 Millionen Dollar zahlen. Das Geld bekommen die Witwe des toten US-Soldaten und dessen Kamerad, der beim selben Angriff verletzt wurde.
Nach Auffassung des Bundesgerichts im US-Bundesstaat Utah trägt Ahmed Said Khadr die Verantwortung für den Beitritt seines Sohns zum Terrornetzwerks al-Qaida.

94,5 Millionen Dollar soll Speers Witwe erhalten; die restlichen 8,1 Millionen gehen an Morris - jedenfalls theoretisch. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass das Urteil vollstreckt werden kann: Ahmed Said Khadr soll im Oktober 2003 in Pakistan getötet worden sein. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Paul Cassell war es das erste Mal, dass Soldaten unter Berufung auf die Anti-Terror-Gesetze in den USA auf Schadensersatz geklagt hatten.

Omar Khadr, der in Toronto geboren wurde und in Pakistan aufwuchs, hatte im Juli 2002 als damals 15-Jähriger die beiden US-Soldaten Layne Morris und Christopher Speer mit einer Granate angegriffen. Morris überlebte schwer verletzt, ist aber seitdem auf einem Auge blind. Khadrs Vater soll das Terrornetzwerk al-Qaida von Osama Bin Laden finanziell unterstützt haben.

Omar Khadr muss sich nun noch wegen Mordes und versuchten Mordes vor einem der umstrittenen militärischen Sondertribunale in Guantanamo verantworten. Die erste Anhörung war im Januar.

In Guantanamo halten die USA derzeit rund 500 Gefangene als Terrorverdächtige fest, ohne dass gegen sie formell Anklage erhoben wurde. Die meisten von ihnen wurden nach der US-Invasion in Afghanistan im Oktober 2001 festgenommen. International wird die US-Regierung wegen des Lagers scharf kritisiert.

ffr/AFP



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