USA Anwälte protestieren gegen neue Hinrichtungsmethode

Zum ersten Mal soll in den USA ein Häftling mit nur einem Gift hingerichtet werden. Wenn Ohios Gouverneur nicht im letzten Moment einen Aufschub beschließt, wird das Todesurteil an Kenneth Biros am Dienstag vollstreckt. Dessen Anwälte sprechen von einem "Menschenexperiment".

AFP

Columbus - Am Dienstag soll Häftling Kenneth Biros, ein verurteilter Frauenmörder, im Gefängnis von Lucasville, Ohio, hingerichtet werden. Er wäre der erste US-Gefangene, bei dem das Todesurteil mit nur einem einzigen Gift vollstreckt wird. Aus diesem Grund ist eine hitzige Debatte um die Hinrichtung des 52-Jährigen entbrannt. Seine Anwälte sprechen von einem "Menschenexperiment".

Bislang war bei Hinrichtungen ein Cocktail aus drei Substanzen üblich: Die erste soll Schmerzen verhindern, die zweite die Körpermuskulatur lähmen, die dritte den Herzstillstand herbeiführen. Doch diese Methode ist ebenfalls umstritten. Kritiker führen an, dass der Todeskandidat möglicherweise große Qualen erleidet, diese aber wegen der herbeigeführten Lähmung nicht äußern kann. Problematisch ist auch die intravenöse Verabreichung - wie in Ohio unlängst der Fall Romell Broom deutlich machte.

Nach zwei Stunden mussten Justizmitarbeiter den Versuch abbrechen, den wegen Mordes verurteilten Broom hinzurichten. Es war ihnen auch nach 18 Versuchen nicht gelungen, eine Vene für die Giftspritze zu finden. Der Fall erregte weltweit Aufsehen. Daraufhin ordnete die Justiz in Ohio eine Aussetzung der Hinrichtungen an, um neue Methoden prüfen zu lassen.

Nun soll Häftling Biros als erster nach den Maßgaben des neuen Hinrichtungsprotokolls getötet werden. Eine massive Dosis des Anästhesiemittels Thiopental soll bei Biros zum Tod führen. Sollte das Hinrichtungspersonal keine Vene finden, darf es zwei Chemikalien in todbringender Dosis ins Muskelgewebe spritzen - ein Beruhigungsmittel und ein Schmerzmittel. Das neue Protokoll gewährt dem Personal drei Anläufe, um den Verurteilten hinzurichten.

Wegen der bislang unerprobten Methode appellierten Biros' Anwälte an Ohios Gouverneur Ted Strickland, die Hinrichtung auszusetzen. "Das neue Protokoll setzt Mittel und Methoden ein, die niemals zuvor in den USA oder einem anderen zivilisierten Land eingesetzt wurden", heißt es in dem Antrag.

Die Anwälte argumentieren, dass dies gegen das in der US-Verfassung verankerte Verbot von "grausamen und ungewöhnlichen" Strafen verstoße. Der Chef der Strafvollzugsbehörde in Ohios Hauptstadt Columbus, Terry Collins, wirft den Anwälten dagegen "Vernebelungstaktik" vor.

Das zur Hinrichtung vorgesehene Mittel Thiopental sei schon allein dadurch ausreichend erprobt, dass es in Krankenhäusern als Anästhetikum eingesetzt wurde, sagt Collins, der 31 der 32 seit 1999 in Ohio vollstreckten Hinrichtungen beaufsichtigte. "Das ist kein experimentelles Mittel", so Collins.

hut/AFP



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