Nach Recherchen einer US-Schulklasse Als Hexe verurteilte Frau soll posthum begnadigt werden

Eine während der sogenannten Hexenprozesse von Salem im 17. Jahrhundert verurteilte Frau soll etwa 300 Jahre später entlastet werden – dank einer engagierten Schulklasse aus dem US-Bundesstaat Massachusetts.
Elizabeth Johnson Jr. ist eine von mehr als 150 Menschen, denen Hexerei vorgeworfen wurde (Symbolbild)

Elizabeth Johnson Jr. ist eine von mehr als 150 Menschen, denen Hexerei vorgeworfen wurde (Symbolbild)

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Douglas Grundy/ Getty Images

Bei den Hexenprozessen in der US-Stadt Salem wurde Elizabeth Johnson Jr. 1693 wegen Hexerei verurteilt. Eine achte Klasse in North Andover, Massachusetts, versucht nun, mehr als 300 Jahre später, die Frau zu rehabilitieren.

Das Schicksal von Johnson habe ihre Schüler sehr bewegt, sagte Lehrerin Carrie LaPierre der Nachrichtenagentur AFP. Die Kinder hätten sich intensiv in die Biografie Johnsons eingearbeitet. Beim Studium von Originalquellen hätten sie festgestellt, dass Johnson im Salem des 17. Jahrhunderts als unverheiratete Frau als verdächtig gegolten habe. Zudem habe Johnson möglicherweise eine geistige Behinderung gehabt. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 14 Jahren fanden offenbar auch heraus, warum Johnson bislang nicht offiziell entlastet wurde: Die Verurteilte soll keine direkten Nachfahren gehabt haben, die sich darum bemüht hätten.

LaPierres Schüler entschieden sich, Druck auf die Politik zu machen. Eine Verbündete fanden sie in der Senatorin von Massachusetts, Diana DiZoglio. Sie brachte kürzlich einen Gesetzentwurf ins Parlament ein, der sich in Teilen auf die Recherchen der Jugendlichen stützt und auf dessen Grundlage Johnson rückwirkend begnadigt werden soll.

»Es ist einfach Zeit, den Job zu beenden und den Ruf von Elizabeth Johnson Jr. wiederherzustellen«, sagte DiZoglio. Mit ihrer Hartnäckigkeit hätten die Schüler der North Andover Middle School ein »jahrelanges Unrecht wiedergutgemacht«, sagte die Senatorin. »Ich möchte, dass sie stolz darauf sind.«

Elizabeth Johnson Jr. gehörte zu den mehr als 150 Menschen, denen Ende des 17. Jahrhunderts in Massachusetts Hexerei vorgeworfen wurde. 1693 wurde sie zum Tode verurteilt. Vollstreckt wurde das Urteil nicht; Johnson starb als alte Frau in den 1740er Jahren. Anders als in vergleichbaren Fällen wurden die Vorwürfe gegen Johnson aber nie offiziell aufgehoben.

Neben Johnson seien 1693 in Salem noch 29 weitere Menschen der Hexerei schuldig gesprochen worden, sagte DiZoglio zu AFP. 19 von ihnen seien gehängt worden. Johnson sei bis heute die Einzige, die nicht formal entlastet worden sei.

kim/AFP
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