US-Bundesstaat Michigan Eltern von 15-jährigem Schulschützen werden mit angeklagt

Eine halb automatische Waffe als »Weihnachtsgeschenk«: Die Eltern des Teenagers, der vier Mitschüler erschoss, werden mit ihrem Sohn vor Gericht stehen. Die Staatsanwältin will eine Botschaft an Waffenbesitzer senden.
Menschen gedenken der Opfer des Schulmassakers an der Oxford High School in Michigan

Menschen gedenken der Opfer des Schulmassakers an der Oxford High School in Michigan

Foto: Jake May / AP

Nach den tödlichen Schüssen mit vier Toten an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind auch die Eltern des 15-jährigen Angreifers angeklagt worden. Die Justiz wirft James und Jennifer C. Totschlag in vier Fällen vor, wie die Staatsanwältin des Landkreises Oakland County am Freitag mitteilte. Der Vater hatte die Tatwaffe, eine halb automatische Pistole, vier Tage vor der Tat gemeinsam mit seinem Sohn gekauft.

Staatsanwältin des Landkreises Oakland County, Karen McDonald, bei einer Pressekonferenz

Staatsanwältin des Landkreises Oakland County, Karen McDonald, bei einer Pressekonferenz

Foto: Carlos Osorio / AP

Die Mutter des Teenagers soll die Waffe auf Onlineplattformen als »Weihnachtsgeschenk« für ihren Sohn bezeichnet haben, sagte die Staatsanwältin weiter. Die Eltern hätten nach einem Vorfall kurz vor der Tat, bei dem sie wegen Zeichnungen ihres Sohnes mit Gewaltfantasien zur Schule gerufen worden waren, nicht überprüft, ob der Teenager die Waffe bei sich hat.

Die Eltern hätten sich geweigert, ihren Sohn mit nach Hause zu nehmen, daher sei er zurück ins Klassenzimmer gegangen. Sie hätten auch seinen Rucksack nicht auf die Waffe hin durchsucht. Als dann bekannt wurde, dass jemand an der Schule auf Menschen schoss, schrieb die Mutter ihrem Sohn eine Nachricht mit den Worten »tue es nicht«. Der Vater fuhr daraufhin nach Hause und rief kurze Zeit später bei der Polizei an und gab an, dass seine Waffe fehlte, wie die Staatsanwältin schilderte. Die Waffe sei im Schlafzimmer der Eltern in einer nicht abgesperrten Schublade gelagert, so die Staatsanwältin.

»Die Eltern haben als Waffenbesitzer eine Verantwortung«

Eine Anklage gegen die Eltern eines Täters bei einem solchen Gewaltakt in Schulen ist selten, in diesem Fall aber seien die Fakten »ungeheuerlich«, wie die Staatsanwältin sagte. »Mit diesen Anklagepunkten sollen jene zur Verantwortung gezogen werden, die zu dieser Tragödie beigetragen haben, und es soll eine Botschaft an Waffenbesitzer ausgesandt werden, dass sie eine Verantwortung haben«.

Der 15-Jährige hatte an seiner Schule in der nördlich von Detroit gelegenen Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete dabei vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sechs weitere Schüler und eine Lehrerin. Der Zehntklässler ließ sich nach der Tat widerstandslos festnehmen und wurde in der Folge unter anderem wegen Terrorismus mit Todesfolge und vierfachem Mord angeklagt. Die Anklage geht von einer vorsätzlichen Tat aus.

Dem Teenager soll nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. Ihm droht lebenslange Haft.

jso/AFP/dpa

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