USA Entführungsopfer Dugard erhält Millionenentschädigung

Sie wurde 18 Jahre lang von einem Ehepaar in einem Zelt gefangen gehalten und sexuell missbraucht. Nun kann Jaycee Lee Dugard mit einer Entschädigung in Millionenhöhe rechnen. Das kalifornische Parlament stimmte einer entsprechenden Zahlung zu.


San Francisco - Das US-Entführungsopfer Jaycee Lee Dugard wird für ihre jahrelange Gefangenschaft finanziell entschädigt. Beide Kammern des Parlaments im US-Bundesstaat Kalifornien stimmten am Donnerstag für die vom kalifornischen Justizministerium empfohlene Auszahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar an Dugard und die beiden mit ihrem Entführer gezeugten Kinder.

Nach Angaben eines Regierungsvertreters muss nun nur noch Gouverneur Arnold Schwarzenegger das Dokument unterzeichnen. Die Parlamentarier werteten den Fall Dugards als "unvergleichlich und tragisch".

Das Geld werde dafür verwendet, um Dugard und ihren beiden zwölf und 15 Jahre Töchter ein Haus zu kaufen, sagte der pensionierte Richter Daniel Weinstein, der als Mediator den Vergleich aushandelte. Außerdem werde das Geld gebraucht, um die Privatsphäre der Familie zu schützen, die Ausbildung der Kinder zu bezahlen, entgangenes Einkommen zu ersetzen und für die Kosten der wahrscheinlich jahrelangen Therapie aufzukommen. Der größte Teil der Summe soll langfristig angelegt werden.

Antrag auf staatliche Hilfe für Verbrechensopfer gestellt

Die mittlerweile 30 Jahre alte Dugard war im Alter von elf Jahren verschleppt und 18 Jahre lang als Sexsklavin in einem Zelt im Hinterhof eines Hauses in Antioch festgehalten worden. Erst Ende August 2009 wurden sie und ihre Töchter durch einen Zufall entdeckt und befreit. Antioch liegt rund 70 Kilometer östlich von San Francisco in Kalifornien.

Dugard hatte nach ihrer Befreiung für sich und ihre beiden Kinder einen Antrag auf staatliche Hilfe für Verbrechensopfer gestellt. Die Behörden räumten zuvor ein, bei der Überwachung des vorbestraften mutmaßlichen Entführers Phillip Garrido schwere Fehler gemacht zu haben. Dugard hätte bei einer gründlicheren Arbeit der Polizei möglicherweise schon früher entdeckt werden können.

Garrido und seine Frau Nancy sind wegen Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angeklagt. Dugard war 1991 in der Nähe ihres Elternhauses verschleppt worden.

Im März dieses Jahres hatte sich Dugard erstmals in einem Video an die Öffentlichkeit gewandt. "Ich möchte allen für die Unterstützung danken und bestätigen, dass es mir gut geht. Es braucht seine Zeit, aber ich erhole mich langsam." Die junge Frau lebt heute mit ihren Töchtern an einem unbekannten Ort. Rechtsexperten rechnen damit, dass Dugard während des erwarteten Prozesses gegen ihren Kidnapper aussagen wird.

wit/dpa/AFP/apn



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