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30. September 2015, 08:12 Uhr

Trotz aller Gnadengesuche

US-Bundesstaat Georgia richtet Todeskandidatin hin

Kelly Renee Gissendaner ist tot. Die verurteilte Mörderin wurde im US-Bundesstaat Georgia mit einer Giftspritze hingerichtet. Nicht nur der Papst hatte vergeblich versucht, ihr zu helfen.

Der US-Bundesstaat Georgia hat erstmals seit 70 Jahren eine Frau hingerichtet. Die 47-jährige Kelly Renee Gissendaner starb am frühen Morgen deutscher Zeit in der Stadt Jackson durch eine Giftspritze. Sie war wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt worden. Am Dienstag scheiterten mehrere Versuche, die Exekution noch zu verhindern.

Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte innerhalb weniger Stunden dreimal eine Beschwerde von Gissendaners Anwälten ab. Auch der Oberste Gerichtshof in Georgia wollte keinen Aufschub mehr gewähren. Das für Gnadengesuche zuständige Gremium des Bundesstaats wies Eingaben des Papstes und der Kinder Gissendaners zurück.

Ursprünglich sollte die Frau bereits im Februar sterben. Damals sagte die Justizbehörde den Termin jedoch wegen Zeitproblemen und schlechten Wetters ab. Auch ein neuer Termin im März platzte, weil es Zweifel an der Reinheit des Giftes gab.

Der Papst bemüht sich vergeblich

Der diplomatische Vertreter des Papstes in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, schrieb kurz vor der Hinrichtung an das Begnadigungsgremium, er bitte um eine Umwandlung in eine Haftstrafe. Er zitierte dabei Papst Franziskus, der sich während seiner USA-Reise jüngst gegen die Todesstrafe ausgesprochen hatte.

Die Kinder von Gissendaner betonten, dass sie ihrer Mutter vergeben hätten. Sie sagten auch, es würde sie sehr treffen, wenn sie nach ihrem Vater nun ein zweites Elternteil verlören. Die Anwälte Gissendaners verwiesen in ihren Anträgen auf eine Stellungnahme des früheren Gerichtspräsidenten in Georgia, Norman Fletcher.

Fletcher zeigte sich überzeugt davon, dass die Todesstrafe nicht im Einklang steht mit Gissendaners Rolle bei dem Verbrechen. Ihr Lebensgefährte, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, habe damals den Mord ausgeführt. Es sei ein Fehler gewesen, betonte Fletcher, im Jahr 2000 eine Beschwerde Gissendaners zurückzuweisen.

sms/AP/Reuters

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