USA Gericht stoppt umstrittene Hinrichtung in Texas

In wenigen Tagen sollte ein geistig zurückgebliebener Mann wegen eines tödlichen Raubüberfalls hingerichtet werden, bei dem er im Auto saß. Die geplante Exekution in Texas ist nun vorerst ausgesetzt.

Jeffery Wood
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Jeffery Wood


Der Fall Jeffery Wood hat in den USA eine Welle des Protestes ausgelöst. Geistliche setzen sich für seine Begnadigung ein, auch Republikaner halten die Hinrichtung des 43 Jahre alten Mannes in Texas für falsch.

Der Tod Woods per Giftspritze ist nun vorerst verhindert worden. Ein Berufungsgericht in Austin gab am Freitag dem Einspruch seiner Anwälte statt und ordnete einen Aufschub an.

Wood war 22 Jahre alt, als er 1996 mit seinem Komplizen Daniel Reneau zu einer Tankstelle in Kerrville fuhr, die sein Bekannter ausrauben wollte. Dass Reneau eine Waffe hatte, wusste Wood laut seiner Anwältin Kate Black nicht.

Wood wartete im Auto auf den Mann, den er seit knapp zwei Monaten kannte, während Reneau in den Verkaufsraum ging. Als Wood einen Schuss im Laden hörte, ging er hinein um nachzusehen, was passiert war. Nach Angaben seiner Unterstützer fand er dort den toten Angestellten und wurde von Reneau mit vorgehaltener Waffe gezwungen, das Überwachungsmaterial zu entwenden und anschließend den Fluchtwagen zu fahren.

Aufgrund von Zeugenaussagen wurden die beiden einen Tag später festgenommen und schließlich zum Tode verurteilt. Reneau wurde bereits am 13. Juni 2002 hingerichtet.

"Vollkommene Willkür der Todesstrafe"

Wood gilt als geistig zurückgeblieben. Dieser Umstand und auch die Tatsache, dass Wood aufgrund eines umstrittenen texanischen Gesetzes verurteilt wurde, haben die Proteste gegen die Hinrichtung provoziert.

Denn das Urteil gegen Woods beruht auf einem speziellen Gesetz in Texas, das den Begriff der Komplizenschaft extrem weit fasst. Demnach ist ein Todesurteil auch gegen Menschen möglich, die nicht getötet haben oder auch nicht töten wollten. Die einflussreiche "New York Times" bezeichnete es am Donnerstag "als groteske Illustration der vollkommenen Willkür der Todesstrafe".

Rund 50 Geistliche aus den USA hatten zuvor ein Gnadengesuch an den texanischen Gouverneur Greg Abbott gerichtet. Auch die Politik setzt sich für Wood ein. Der texanische Abgeordnete Jeff Leach von der republikanischen Partei hat formell beantragt, dass Woods Urteil in lebenslänglich umgewandelt wird. Leach sagt zwar von sich, er sei grundsätzlich für die Todesstrafe - in diesem Fall aber dagegen. Er verwies auf die geistige Reife des Verurteilten sowie den problematischen Prozess gegen ihn.

Fatale Aussage von "Dr. Tod"

Ähnlich sah das auch das Berufungsgericht in Austin, das die Hinrichtung nun vorerst verhindert hat. Das Todesurteil basiere auf falschen Aussagen und wissenschaftlich nicht korrekter Beweisführung. Herausgehoben wird das skandalöse Vorgehen des Psychiaters James Grigson in dem ursprünglichen Prozess gegen Wood.

Wood werde weitere Gewaltverbrechen verüben, so die Aussage des Psychiaters, der damit maßgeblich zum Todesurteil beitrug. Grigson, der 2004 starb, war berüchtigt: Er wurde "Dr. Tod" genannt, weil er häufig in Prozessen gegen verurteilte Mörder aussagte, sie würden künftig eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen. Seine Aussagen traf er oft, ohne die Beschuldigten persönlich untersucht zu haben. Auch Wood hat er nicht persönlich untersucht.

Seine Kollegen sahen Grigson und seine Methoden als Bedrohung für den Berufsstand. Aus der American Psychiatric Association, seinem Berufsverband, wurde er bereits 1995 ausgeschlossen. Das war noch vor dem Urteil gegen Wood. In dem Prozess damals verschwieg der Psychiater das wohlweislich.

kgp/AFP/AP



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