Kurioses Urteil Kleiner Junge darf nicht mehr Messias heißen

Er wurde als Messias in den Saal getragen und kam als Martin wieder heraus: Ein Gericht im US-Bundesstaat Tennessee hat einen sieben Monate alten Säugling eigenmächtig umbenannt - und mit der religiösen Begründung des Urteils für Aufsehen gesorgt.

Der kleine Messias: Künftig darf der sieben Monate alte Junge nur noch Martin heißen
AP / WBIR-TV

Der kleine Messias: Künftig darf der sieben Monate alte Junge nur noch Martin heißen


Washington - Sein Name erinnert zu sehr an Jesus Christus, deshalb darf ein Kleinkind im US-Bundesstaat Tennessee nicht mehr Messias heißen. Die Eltern des sieben Monate alten Jungen wollten ihn Messiah Martin (deutsch: Messias Martin) nennen, was ihnen das Gericht nun untersagte. "Das Wort Messias ist ein Titel, und es ist ein Titel, den sich nur eine Person verdient hat, und diese Person ist Jesus Christus", sagte Richterin Lu Ann Ballew dem TV-Sender WBIR.

Sie begründete ihren Beschluss laut der Zeitung "The Tennessean" damit, dass der Name Messiah Gläubige in dem christlich geprägten Bundesstaat beleidigen könnte und sie das Kindeswohl im Sinne habe. "Es könnte ihm Probleme mit einer Menge Leute einbrocken", wurde Ballew von der Zeitung zitiert. Nie zuvor habe sie eine Namensänderung verordnet.

Dabei sollte die Richterin eigentlich nur einen Streit zwischen den Eltern schlichten, die sich nicht einigen konnten, welchen Nachnamen ihr gemeinsames Kind tragen sollte. Sie entschied salomonisch, dass der Junge beide Namen tragen soll - aber eben nicht seinen bisherigen Vornamen. Ballew legte kurzerhand selbst fest, wie das Baby fortan genannt werden sollte: nämlich Martin. Das sei für das Kind am besten.

Das Wort Messias stammt aus dem Hebräischen und bedeutet "der Gesalbte" - es steht meist für den im Alten Testament der Bibel verheißenen Erlöser.

"Ich habe meinen Sohn nicht Messias genannt, weil das Gott bedeutet. Ich hätte nicht erwartet, dass eine Richterin mich zwingen könnte, den Namen meines Sohnes wegen ihrer religiösen Ansichten zu ändern", sagte die Mutter. Ihr habe einfach der Klang von Messias gefallen - vor allem zusammen mit den Namen ihrer anderen Kinder Micah und Mason. Sie kündigte umgehend Einspruch gegen das Urteil ein. Die endgültige Entscheidung wird im September erwartet.

wit/dpa/AFP

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quadratwurzel 13.08.2013
1. Namensgebung
Zitat von sysopAP / WBIR-TVEr wurde als Messias in den Saal getragen und kam als Martin wieder heraus: Ein Gericht im US-Bundesstaat Tennessee hat einen sieben Monate alten Säugling eigenmächtig umbenannt - und mit der religiösen Begründung des Urteils für Aufsehen gesorgt. USA: Gericht verbietet den Namen Messias für kleinen Jungen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/usa-gericht-verbietet-den-namen-messias-fuer-kleinen-jungen-a-916211.html)
Aber "Hitler" darf man in den USA seine Kinder nennen. Komisches Land....
Wilhelm Klaus 13.08.2013
2. optional
Das hat die Richterin genau richtig entschieden.
christinahh 13.08.2013
3. Jesus?
Wenn ich mich richtig erinnere ist in den lateinamerikanischen Ländern der Vorname Jesus durchaus gebräuchlich. Ich schlage vor sie in Josef umzubenennen.
mattin666 13.08.2013
4. es gibt kranke Leute
Dass jemand die Schwierigkeiten seines Kindes in Kauf nimmt, nur um sich über eine Religion lustig zu machen, zeugt von gewissen seelischen Problemen.
koves 13.08.2013
5. Fundamentalismus auf Amerikanisch
Sind die USA nun etwa doch nicht das liberalste Land auf Erden? Darf nun doch nicht jeder seinem Kind den Namen geben, den er will - Prinz, oder Nevaeh (ist das Wort "Heaven" [=Himmel] rückwärts geschrieben)? Wenn es um ihre (Christlichen) Religionen geht verstehten die "Amis" überhaupt keinen Spaß, da zeigt das Land seinen wahren Fundamentalismus, wie man an diesem Richterspruch ablesen kann.
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