USA Juror twittert - Gericht hebt Todesurteil auf

"Es ist vorbei." Diese Worte twitterte ein Jurymitglied aus einem US-Gericht - kurz bevor der Angeklagte zum Tode verurteilt wurde. Ein anderer Juror soll während des Verfahrens geschlafen haben. Nun wird der Mordprozess neu aufgerollt.


Little Rock - Ein Mordfall wird in den USA neu verhandelt, weil ein Jurymitglied während der Verhandlung twitterte und ein anderes geschlafen haben soll. Der oberste Gerichtshof des Bundesstaates Arkansas annullierte das Urteil gegen Erickson Dimas-Martinez. Der 26-Jährige war zum Tode verurteilt worden, weil er 2006 nach einer Party einen Teenager ausgeraubt und erschossen hatte.

Nun wird ihm dank Randy Franco erneut der Prozess gemacht. Franco war im ersten Verfahren Juror und twitterte über den Fall, obwohl der Richter jegliche Art von Kommunikation über das Verfahren verboten hatte.

Francos Botschaften reichen von pathetisch ("Entscheidungen müssen getroffen werden. Herzen werden gebrochen werden…Jeder von uns bestimmt die entscheidende Linie.") über belanglos ("Der Kaffee hier ist beschissen."; "Gericht. Tag 5. Los geht's.") bis hin zu dreist: Weniger als eine Stunde, bevor die Jury ihr Urteil verkündete, twitterte er: "Es ist vorbei."

"Ich hatte mich noch nicht entschieden"

Franco verteidigte sich gegenüber der Zeitung "Arkansas Democrat-Gazette": Kein Tweet habe etwas über das Verfahren verraten. "Ich hatte mich noch nicht entschieden." Auch die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, in den Kurznachrichten sei es lediglich um die Gefühle des Jurors gegangen, aber nicht um Einzelheiten des Verfahrens.

Dimas-Martinez' Anwälte hatten gegen das Todesurteil im vergangenen Jahr Berufung eingelegt. Nach gescheiterten Versuchen landete das Verfahren nun vor dem Obersten Gerichtshofes von Arkansas. Der folgte der Kritik der Anwälte, die einen "Fehler der Jury" beklagten, der Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Gerichts aufkommen lasse. "Schon allein weil Twitter ein soziales Onlinenetzwerk ist, waren die Tweets von Juror 2 öffentliche Diskussionsbeiträge." Es sei "für einen Juror absolut unangemessen, seine Grübeleien, Gedanken oder andere Informationen über einen solchen Fall öffentlich darzulegen", befand der Gerichtshof.

ulz/AFP/AP



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