USA Krankenhaus setzt hilflosen Mann aus

Ein Vorfall von besonderer sozialer Kälte erschüttert die Öffentlichkeit der kalifornischen Metropole Los Angeles. Ein Krankenhaus steht im Verdacht, einen hilflosen Patienten ausgesetzt und sich selbst überlassen zu haben.


Los Angeles - In einem verschmutzten Nachthemd, eine Plastiktüte mit seinen Habseligkeiten zwischen den Zähnen, versucht ein querschnittsgelähmter Mann auf dem Bürgersteig vorwärts zu kriechen. Wenigen Stunden zuvor war er noch in einem Krankenhaus in Los Angeles behandelt worden, jetzt hat ihn ein Fahrer der Klinik laut Polizei im berüchtigten Obdachlosenviertel Skid Row ausgesetzt.

Hätte der Gelähmte nicht mit den Händen rasch seine Beine auf den Bürgersteig gehoben, wäre der Krankenwagen darüber weggerollt, sagt Polizeisprecher Russ Long. Augenzeugen berichten, der Mann sei am Donnerstag in der Nähe eines kleinen Parks in Skid Row ausgesetzt worden. Der Fahrer habe zugesehen, wie er sich bemüht habe, auszusteigen. "Seine Hosen sind bis zu den Knöcheln heruntergerutscht. Er fiel auf den Bordstein", sagt Polizeisprecher Long. Obdachlose halfen dem orientierungslosen Mann anschließend in den Park. Zufällig kam eine Polizeipatrouille vorbei und rief einen Rettungswagen.

Der Mann habe im Krankenwagen seine Notdurft verrichtet, begründete der Fahrer nach Zeugenaussagen seine Entscheidung, ihn nicht weiter zu transportieren. Tatsächlich habe der Mann ein Problem mit einem defekten Beutel für Exkremente gehabt, den er nicht richtig an seinem künstlichen Darmausgang befestigen habe können.

Dan Springer, ein Sprecher des Krankenhauses, erklärte, der Zwischenfall werde untersucht. "Das sind sehr schwere Anschuldigungen". Sollte es tatsächlich "einen Fehler solcher Tragweite" gegeben haben, werde die Klinik angemessen darauf reagieren.

Springer zufolge wurde der querschnittsgelähmte Mann am Mittwochabend entlassen. Er habe auf eigenen Wunsch zu einer Obdachlosenmission in Skid Row gebracht werden wollen. Dort sei jedoch kein Platz frei gewesen, und der Fahrer habe ihn wieder zum Krankenhaus zurückgefahren - wo der 41-Jährige die Nacht im Wartesaal vor der Notaufnahme verbrachte. Am Morgen wollte er erneut nach Skid Row gefahren werden und "wies den Fahrer an, die Tür zu öffnen und ihn an einem Park (...) aussteigen zu lassen", sagte Springer.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung von los Angeles ist der Fall nicht der erste. Immer wieder würden obdachlose, manchmal orientierungslose Patienten dort einfach sich selbst überlassen.

Vor drei Monaten erhob die Staatsanwaltschaft in Los Angeles zum ersten Mal Klage. Auf Videoaufnahmen war damals zu sehen, wie ein 63 Jahre alter Patient in einem Nachthemd und auf Socken in den Straßen von Skid Row umherirrt. Inzwischen hat die Stadt ähnliche Vorwürfe gegen mehr als ein Dutzend Krankenhäuser vorgebracht. Viele haben diese zurückgewiesen, andere räumen ein, Patienten bei Hilfsgruppen in dem wegen Kriminalität berüchtigten Viertel abzusetzen. Einer der ersten Vorwürfe gegen die Klinik, die jetzt den Querschnittsgelähmten auf die Straße setzte, datiert aus dem Jahr 2005.

Von Michael R. Blood, AP



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