USA Richter billigt Exekution mit Tierbetäubungsmitteln

Ein US-Bezirksrichter hat die Verwendung eines Mittels zum Einschläfern von Tieren für Hinrichtungen freigegeben. Das übliche Medikament ist knapp geworden, nun sollen die Todeskandidaten mit dem Ersatzstoff exekutiert werden. Anwälte von zum Tode Verurteilten protestieren gegen den Einsatz des Medikaments.


Washington - In den USA ist ein Hinrichtungs-Gift knapp geworden, deswegen hat ein Richter jetzt Exekutionen mit einem Mittel zum Einschläfern von Tieren erlaubt. Die Regierung Oklahomas hatte sich für den Einsatz von Pentobarbital um eine Genehmigung bemüht, nachdem dort Natrium-Thiopental zur Mangelware wurde - einer der drei Stoffe, aus dem der tödliche Gift-"Cocktail" für Hinrichtungen gemischt wird. Bezirksrichter Stephen Friot habe dem Ersuchen nun stattgegeben, wie das "Wall Street Journal" meldete.

Der Bundesstaat hatte demnach argumentiert, Pentobarbital sei nach Auffassung von Tierärzten ein "ideales Betäubungsmittel, für das humane Einschläfern von Tieren". Es sei dem Medikament Natrium-Thiopental ähnlich, das bei Exekutionen verabreicht wird, um den Todeskandidaten bewusstlos zu machen. Zwei darauf folgende Mittel führen zu Lähmung und schließlich zu Herzstillstand.

Der Mangel an dem Barbiturat hatte bereits in einer Reihe von Staaten Hinrichtungen verzögert, unter anderem auch in Kalifornien. In Arizona wurde unlängst ein Häftling mit Natrium-Thiopental hingerichtet, das aus Großbritannien geliefert wurde. Nach Angaben der Zeitung "The Oklahoman" wird Pentobarbital auch beispielsweise bei der ärztlich begleiteten Sterbehilfe in den Niederlanden oder im US-Bundesstaat Oregon eingesetzt.

In den USA gibt es nur einen einzigen von der zuständigen Behörde zugelassenen Hersteller von Natrium-Thiopental, Hospira im Staat Illinois. Die Firma hat aber die Produktion vorübergehend eingestellt. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers ist ein wichtiger pharmazeutischer Bestandteil des Mittels nur sehr schwer erhältlich. Die Firma ist nach eigenen Angaben nicht glücklich über die Verwendung ihres Produkts bei Exekutionen, erwartet aber, das Mittel Anfang nächsten Jahres wieder anbieten zu können.

Anwälte von Todeskandidaten in Oklahoma hatten gegen den Einsatz des Tier-Betäubungsmittels protestiert und argumentiert, der Staat dürfe keine unerprobten Substanzen verwenden. Laut Verfassung seien Häftlinge vor grausamer oder ungewöhnlicher Strafe geschützt. Pentobarbital sei noch nie bei Exekutionen benutzt worden. Der Staat Oklahoma hielt dagegen, mit dem Mittel seien durchaus Menschen ins Koma versetzt worden. Wie Natrium-Thiopental wirke es auf das zentrale Nervensystem und mache effektiv bewusstlos. Richter Friot entschied nun, dass der der Einsatz von Pentobarbital "unterhalb der Risikoschwelle" liege, Häftlinge müßten keine Qualen leiden.

Die nächste Hinrichtung in Oklahoma ist für den 16. Dezember geplant. John David Duty hatte 2001 einen Zellengenossen umgebracht. Mit der Entscheidung von Richter Friot wird auch die Aussetzung der Exekution von Jeffrey Matthews aufgehoben, der wegen Mordes an einem Verwandten die Giftspritze bekommen soll.

bac/dpa



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